Tempelhofer Temperamente: Günter Wagler

Ein Meisterstück von Waglers Großvater Theodor: feinste Handarbeit, die mehr als 100 Jahre alt ist ©Katrin Schwahlen

Am Anfang war der Knoten

Troddel??? Günter Wagler guckt mich mit einem Ausdruck an, der zwischen ungehalten, ungläubig und ungeduldig liegt. So, als habe habe er es schon hundertmal erklärt: Das ist eine Quaste, keine Troddel. Er muss es wissen, denn er ist Berlins letzter Posamentierermeister und mit dieser Quaste in seinem Element.

Es ist einer der Sommertage 2017, an dem es mal nicht regnet. Wir sitzen im Garten der Familie Wagler mitten in Neu-Tempelhof. Eine grüne Idylle mit Teich und Hollywoodschaukel in einer Siedlung, die zu den begehrtesten Wohnlagen des Bezirks gehört.

Die blaue Quaste: Knoten für Knoten feine Seide in edle Farben ©Marlies Königsberg

Günter Wagler ist braungebrannt, hat schlohweiße Haare, eine rote Brille und ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. 1940 in Tempelhof geboren, wuchs er hier auf und lebt bis heute im Kiez. Von hier aus ist er schon als 16-Jähriger mit dem Rad in die Zossener Straße gefahren, wo sein Vater die Posamentierwarenfabrik betrieb.

Knoten, knüpfen, kleben

Posamenten – was ist das? Das Wort stammt von dem französischen passement ab und bedeutet ein textiles Schmuckstück ohne eigene Funktion, dafür aber sehr dekorativ.

Das können Borten sein oder Kordeln, Quasten, Fransen, Raffhalter, Schabracken und vieles, vieles mehr.

Schon die alten Ägypter haben Posamenten hergestellt – damals natürlich mit der Hand und kleinen Werkzeugen. So wie Andreas Wagler, der schon 1662 als Erster der Familie den Beruf des Posamentierers ausübt.

Sein Nachfahre Theodor Kurt kommt als Handwerksbursche aus Sachsen nach Berlin und gründet dort 1884 seine Posamentierwarenfabrik in der Neuen Brunnenstraße. Damals kommen Monarchie, Adel und Militär nicht ohne schmucke Besatzstücke aus, und die gute Bürgerlichkeit zeigt mit Fransen, Quasten, Gardinen und Wandbespannungen, was sie sich leisten kann.

Wagler hat mit seinen Waren großen Erfolg und wird 1910 zum kaiserlich-königlichen Hoflieferanten ernannt.

Feinste Farben, schönste Muster

Seinen Großvater habe er zwar nicht gekannt, erzählt Günter Wagler, aber wie der Opa habe auch er sich schon früh für die Fertigung von Posamenten interessiert. „Zu meinen Schulzeiten war es ja üblich, dass man sonnabends noch arbeitete. Da bin ich als Schüler oft mit meinem Vater in die Firma mitgegangen. Mich hat erstmal das Handwerkliche interessiert. Und dann diese unterschiedlichen Materialien: Leinen, Kunstseide, Baumwolle, ein riesiges Farbenpotenzial. Und diese Kreativität, dass die Leute immer wieder neue Muster erfunden haben oder vorgegebene restaurieren mussten. Keiner hat gesagt „Du musst“, also wirklich keiner. Es hat sich so aus eigenen Stücken ergeben.“

Die Waglers: Seit Jahrhunderten Posamentierer ©Katrin Schwahlen

Gelernt hat Wagler in der väterlichen Firma. „Niemand anders wollte mich. Es gab ja in den 1950er-Jahren nur wenige Posamentiererbetriebe in Deutschland. Und alle kannten den alten Wagler und seine Arbeit. Und deswegen wussten auch alle, dass der junge Wagler nach seiner Ausbildung nach Berlin zurückkehren würde und sie damit einen begabten Gesellen verlören.“

Und so bleibt Günter als Lehrling in Berlin, wird Geselle und macht mit 22 Jahren seinen Meister. Bis 2006 wird er mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eigene Kreationen entwickeln und Kundenwünsche umsetzen.

In seiner Werkstatt stehen Bandwebstühle, Häkel-Gallon-Maschinen, Plattier- und Spinnmaschinen, Flecht- und Wirkmaschinen. Die Aufträge kommen von überall: Chicago, Madrid, aber auch aus Berlin und Umgebung. Wagler stattet das Schloss in Babelsberg ebenso aus wie das Renaissancetheater in Charlottenburg. Für Privatkunden stellt er Kordeln und Seile her, produziert Raffhalter farblich passend zum Gardinenstoff oder Bordüren. Doch mit der Jahrtausendwende ändert sich auch das deutsche Einrichtungsbewusstsein. Bedeuteten Posamenten Behaglichkeit, Wärme und Wohnlichkeit, stehen die Zeichen der Zeit jetzt auf minimalistisch und schnörkellos. Wagler sieht es gelassen: „So sind Moden, sie kommen und gehen. Der Interieurgeschmack ändert sich eben. Gucken Sie mal heute in einen Möbelkatalog, Sie werden nichts finden, wo eine Franse die Möbelfüße verdeckt. Davon haben wir damals Kilometer gemacht.“

Weben und Drehen

Das Posamentiererhandwerk ist anstrengend, auch wenn Maschinen eingesetzt werden. Männer sind zuständig für die gröberen Arbeiten, z.B. für die Herstellung von Kordeln. „Eine Kunde hat uns mal einen Stoff geschickt und wollte dafür 70 Meter farblich passende Kordel. Das ist zu wenig für eine industrielle Fertigung, aber wir als kleiner Handwerksbetrieb konnten das. Da war der Mitarbeiter aber den ganzen Tag auf den Beinen, ist hin- und hergerannt in dem 20-Meter-Raum und hat die Kordeln angedreht.“ Auch Seile sind fest in Männerhand. „Wenn Sie zum Beispiel ein Absperrseil machen, so dick (Wagler zeigt mit Daumen und Zeigefinger einen ungefähr fünf Zentimeter großen Kreis), dann entsteht das durch Drehung und Gegendrehung. Und je dicker es ist, desto anstrengender wird das.“

Frauen waren für die feineren Arbeiten verantwortlich, z.B. Webereien. „Da müssen sie mit der Hand immer die Schiffchen durch das Gewebe schießen und dabei die Maschine treten. Das ist schon auch mit körperlichem Einsatz verbunden. Und die Frauen, die die Quasten produzieren, arbeiten den ganzen Tag hochkonzentriert, wenn sie flechten, kleben und wickeln.“

Kaiserlich-königliche Quaste für irdische Bedürfnisse

Schimmerndes Blau, goldene Seidenknoten, fein gedrehte Kordeln, feinziselierte Stickereien, rund 30 Zentimeter lang – diese Quaste ist etwas ganz Besonderes. Und hat eine ganz besondere Geschichte, erzählt Günter Wagler. „Sie gehörte zu einem Himmelbett mit vier Pfosten. Von allen Ecken wurden Stoffbahnen in die Mitte hochgerafft. Da, wo die Stoffknubbel zusammenkommen, ist die Verbrämung, und dort hing die Quaste als Zierde in der Mitte.“ Ein Meisterstück von Theodor Wagler aus dem 19. Jahrhundert, in doppelter Ausführung weitergegeben an Sohn Kurt. „Mein Vater wollte es niemals aus der Hand geben. Doch eines Tages kam eine Architektin in die Werkstatt, sah die Quaste und wollte sie haben.“

Hin und her sei es zwischen den beiden gegangen, Wagler senior geriet mächtig ins Schwitzen. Doch die Frau blieb standhaft und habe ein großes Bündel DM-Scheine auf den Tisch gelegt: ‚Ich geh hier nicht ohne raus, was wollen Sie dafür haben?‘ Irgendwann gab Wagler nach und tauschte Quaste gegen Geld. „Und dann fragte mein Vater nur noch: ‚Was wollen Sie denn damit machen? Was wollen Sie dekorieren?‘ ‚Ich habe einen handgedrechselten Mahagonisitz für mein WC, und die Quaste kommt an die Spülung. Da wäre mein Vater fast gestorben.‘

Ohne Vergangenheit keine Zukunft

Günter Wagler hat seine Firma vor elf Jahren aufgegeben. „Wenn Sie ein Unternehmen leiten, das seit 122 Jahren existiert, dann haben Sie das Problem, der Letzte zu sein. Aber ich habe 50 Jahre und drei Monate als Posamentierer gearbeitet. Deswegen hatte ich kein schlechtes Gewissen, als ich die Fertigung eingestellt habe. Ich bedauere nur, dass der Beruf so gut wie ausgestorben ist.“

Seit 2006 genießt Berlins letzter Posamentierermeister mit seiner Frau den Ruhestand. Was nicht heißt, dass er nichts mehr tut. Vor allem mit dem sechsjährigen Enkel verbringen die beiden Waglers viel Zeit. „Der ist so superniedlich und kommt jetzt in die Schule. Und wenn unsere Tochter auf der Bühne steht, kümmern wir uns.“

Der Waglersche Garten: Traumschön in Tempelhof ©Katrin Schwahlen

Außerdem gibt es noch den Garten. „Wir lieben diese kleine Oase. Meine Frau hat gerade wieder alles umgebaut. Diese Parzelle ist einfach eine Freude.“ Und seit mehr als 50 Jahren hat das Ehepaar ein weiteres gemeinsames Hobby: Theater. Alle vier, fünf Wochen gehen sie zu den Premieren im Renaissancetheater. „Mir gefällt nicht jedes Stück, das wäre ja Quatsch. Aber jeder Besuch erinnert mich daran, dass die Bordüren und Besetze an den Vorhängen und Stühlen von der Firma Wagler stammen.“

Zum Abschied überreicht mir Günter Wagler eine Schlüsselquaste. Ich habe sie an die Tür in meinem Arbeitszimmer gehängt, wo sie mich an einen Nachmittag voller Geschichten und Anekdoten erinnert – und daran, sie nie wieder Troddel zu nennen. Ein Trottel, wer das verwechselt. Katrin Schwahlen

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Kalenderblatt

Veranstaltungen der Seniorenarbeit – Abkürzung: VSA

Kartenverkauf für Seniorenveranstaltungen: Die und Do von 9-12 Uhr, Bitte beachten: Sonderverkäufe auch montags, bei der Seniorenarbeit Tempelhof/Schöneberg, Rathaus Tempelhof, Tempelhofer Damm 165, 12099 Berlin, Zi. 104, 1. Etage, Tel.: 030/90277 6506.

SEPTEMBER

jeden Ersten Sa im Monat im Flame Diner Live-Musik, Themenabende rund um die 50er & 60er Jahre, Zehrensdorfer Str. 9, 12277 Berlin, Tel.: 030/2803 6023, www.flame-diner.de

06.10. – „kleine Nacht-Musik“ am „Plantscher“ Schreiberring/ Wolffring, 12101 Berlin, 20.30 Uhr, Party-Jazzmusik-Band Careless Cats, mit Sängerin Nina Thaler, Tel.: 0151/220 850 17, Eintritt frei, Spenden erbeten, www.parkringneutempelhof.de

bis 31.08.2018 – Sonderausstellung: „Nach der Flucht. Wie wir leben wollen“ Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, Marienfelder Allee 66/80, 12277 Berlin, Kontakt: Judith Bilger, Tel.:030/7500 8400, www.notaufnahmelager-berlin.de

07.09. bis 08.12. – Galerie im Tempelhof Museum, Souvenirsd’ Afrique
Fotografien und Fotogramme von Gerda Schütte
, Alt Mariendorf 43, 12107 Berlin, Mo & Do 10-18 Uhr, Fr 10-14 Uhr, So 11-15 Uhr, (am ersten Mi im Monat u. Feiertagen geschlossen), Eintritt frei, Tel.: 030/9027 76964, www.hausamkleistpark.de

08.09. bis 22.10. – Galerie Kirche auf dem Tempelhofer Feld, Ausstellung: Ellinor Blickhan-Fischer, „Orte der Begegnung- Plätze zum Verweilen“, Wolffring 72, 12101Berlin, Sonn -u. Feiertags 12-15 Uhr, Mi 15-17.30 Uhr, Tel.: 030/7862805, Eintritt frei, www.paulus-kirchengemeinde-tempelhof.de

15.09. bis 01. 10. – Theaterschiff: „Traumschüffim“ im Tempelhofer Hafen, Tempelhofer Damm 227, 12099 Berlin, Tempelhofer Hafen wird zur Tribüne, Theater für Jedermann, Kinderfreundlich, „Ufergeschichten“, „Seemannsgarn und Schmalzstulle“, Theaterworkshop am verkaufsoffenen Sonntag, 01. Oktober, Eintritt frei, Termine: 15.09./27.09./29.09./30.09., jeweils um 18.30 Uhr, „Ufergeschichten“, eine musikalische Traumschüff-Reise, 22.09., 18 Uhr „Seemannsgarn und Schmalzstulle“ Geschichten mit der Traumschüff-Crew, 16.09., 17 Uhr „Open Stage“, Lesung: Katharina Matz aus „Die unsichtbare Sammlung“ von Stefan Zweig, 01.10.“Trauminale“, Abschluss: 13-14 Uhr: Traumschüff-Workshop für Jung und Alt, 14-15 Uhr: Schatzsuche für Kinder, 16-17.30 Uhr: Theaterworkshop für Jung und Alt zu „Bibergeil“, 18 Uhr: „Bibergeil“, Stück für Kinder ab 6 Jahren, 19-21 Uhr: Musikalischer Ausklang

17.09. – Orgelkonzert in der Dorfkirche Lichtenrade, Alt-Lichtenrade 109, 12309 Berlin, 17 Uhr, Werken von Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Batholdy, Orgel: Andreas Harmjanz, Eintritt frei

17.09. – Konzertreihe Klänge der Welt-Orient meets Barock, 17 Uhr, Emin Türkarslan (Baglama, Ud, Kompositionen und Arrangements) und Ensemble, Dorfkirche Alt-Tempelhof, Reinhardtplatz, 12103 Berlin. Eintritt frei, www.lkms.de

17.09. – Rosengartenkonzert mit „Angelica Paulic“ in der Gartenstadt Neu Tempelhof, am Rumeyplan, 12101 Berlin, 16-17 Uhr, Akkordeon-Künstlerin Angelika Paulic mit überzeugenden und zauberhaften Rhythmen und Tönen. Eintritt frei, Spenden Willkommen! Kontakt: Karl-Heinz Kronauer, Tel.: 030/58877452, www.parkringneutempelhof.de

20.09. – „Bürgerberatung: Fit für die Straße“ Bezirkszentralbibliothek im Eva-Maria-Buch-Haus Götzstr. 8-12, 12099 Berlin, 13-16 Uhr, Verkehrssicherheitsberatungsdienst der Polizei informiert und berät, Tel: 030/90277-2516

22.09. bis 28.09. – 20. Berliner Hospizwoche, Schirmherrschaft Senatorin Dilek Kolat, Motto: „HOSPIZ IM KIEZ“, Eröffnung: 22.09., 19 Uhr, Festakt im Roten Rathaus, Theater der Erfahrungen/Aufführung: „BERTHA, STIRB ENDLICH“, Tag der offenen Tür in Tempelhof: 26.06.-Hospiz Schöneberg-Steglitz, 14-18 Uhr, 27.09.-Vivantes Hospiz, Wenckebachstr. 23, 16-19 Uhr, 25.09. 15-17 Uhr, Informationsveranstaltung-„Sterben, Tod und Trauer“, im St. Joseph Krankenhaus, Wüsthoffstr. 15, weitere Programminfo: http://www.hospizwoche.de/index.php?id=74

22.09. – Jazz lounge – Jam Session, Gemeinschaftshaus Lichtenrade, Lichtenrader Damm 198-212, 12305 Berlin, Eingang Barnetstr., 19 Uhr, Dixie Brothers, http://www.jazzfueralle.de/programm.html

23.09. – Kiezfest – Die Linke, Hildburghauser Straße 29, 12279 Berlin Marienfelde, 15 Uhr, Eintritt frei, www.dielinke-tempelhof-schoeneberg.de

23.09. – Stadtrundgang vom Columbia-Haus zum Schulenburgring, Führung mit Joachim Dillinger, Treffpunkt: 14 Uhr, Luftbrückendenkmal am Platz der Luftbrücke. Im Columbia-Haus befand sich ein „wildes“ KZ, in dem viele Gegner des Nationalsozialismus gefangen gehalten und gefoltert wurden. Im Haus Schulenburgring 2 wurde die Berliner Kapitulation unterzeichnet. Informationen zur Geschichte: www.schulenburgring2.de, Eintritt frei, Anmeldung: E-Mail: Joachim.Dillinger@web.de, Tel.: 030/785 7739

23.09. – Erntedank- und Kinderfest im Volkspark Lichtenrade, Festwiese an der
Carl-Steffeck-Straße, 12309 Berlin, 13-18 Uhr, Eintritt frei

24.09. – Spannung im MedienPoint Tempelhof, Krimis und Biografien, Werderstr. 13, 12105 Berlin, 11-16 Uhr, (mit Kaffee, Tee und Keksen), soziales Projekt des Kulturring in Berlin e.V., MedienPoint Macher Henning Hamann und sein Team, Tel: 030/7889 3194, Öffnungszeiten: Mo bis Fr: 10 -18 Uhr, Mi von 13.30-14.30 Uhr geschlossen! https://www.facebook.com/MedienPointTempelhof?ref=hl

25.09. – »Memory« Charity – Gala THANK YOU FOR THE MUSIC, Die Abba-Story, Estrel Festival Center, Sonnenallee 225, 12059 Berlin, Einlass: 18.30 Uhr, Beginn: 19.30 Uhr, Mit der einen Hälfte des Erlöses werden auf Vorschlag der Sparda-Bank Berlin eG mit dem Verein Berliner helfen e. V. krebskranke Kinder und ihre Angehörigen unterstützt. Die andere Hälfte geht an die Initiative Kinder in Gefahr, für die Förderung von sozial benachteiligten Kindern in Berlin. Der Spendenerlös für krebskranke Kinder wird für ein Projekt von kolobri e.V. verwendet. Dieser Verein kümmert sich um krebskranke Kinder und die Folgen für die betroffenen Familien. Dabei werden Kinderwünsche ebenso ermöglicht wie therapeutische Betreuung und soziale Hilfen. Eintritt: 20 €, Bestellung unter der Tel.: 030/7429 472 oder per Fax 030/6008 3546

30.09. bis 01.10. – Schöneberger Kürbisfest, Akazien- und Belziger Str., 10823 Berlin, Sa 11-21 Uhr, So 10-20 Uhr, Schlemmermeile, Bühnenprogramm: Schöneberger Band „la mua santa“ und die Rockband „110“, Eintritt frei, Info: www.ms-event-agentur.com

OKTOBER

01.10. – Jagdliches Herbstfest in der Naturschutzstation Marienfelde Naturwacht Berlin e.V., Diedersdorfer Weg 5, 12277 Berlin, 12 -18 Uhr; Programm: mit Falkner und ihre Vögel, Jagdhornbläser, Informationen rund um Jagd & Wild, Wildwurst und andere Leckereien, mit dem Imker vom Lehrbienenstand, www.naturwachtberlin.de

04.10. – Spukvilla- WO-Lesungen, Frau Stecher liest „Wilhelm Busch“, Albrechtstr. 110, 12103 Berlin, 19 Uhr, Eintritt 10 €, Tel.: 030/7515089

07.10. – Jazz für Alle-Trio KRT Liersch, Gemeinschaftshaus Lichtenrade, Lichtenrader Damm 198-212, 12305 Berlin, Eingang Barnetstr, 19 Uhr, ab 21 Uhr, Jam Session, Ltg. Lutz Fußangel, Eintritt frei, www.

11.10. – Veranstaltung zur Orientierung einer neuen Lebensphase-Aktiver Un-Ruhestand”, Seniorenfreizeitstätte „Rudolf-Wissell-Haus“, Alt-Mariendorf 24-26, 12107 Berlin (Mariendorf), 16.30 bis 18.30 Uhr, Ruhestand – was nun?, Informationsveranstaltung mit Vorträgen zu den Themenbereichen Gesundheit, Wohnen, Freizeit und Ehrenamt, Thema „Vorsorgevollmacht“ wird bei Kaffee und Kuchen angesprochen!, Vorstellung der Mitglieder der Seniorenvertretung, Eintritt frei, Bitte um Anmeldung!, Kontakt: Seniorenarbeit Tempelhof-Schöneberg, Frau Ströhl, Tel. 030/ 90277-8756

13.10. bis 15.10. – Crossover-Oratorium „PAULUS von TARUS“, Kirche auf dem Tempelhofer Feld, Wolffring 72, 12101 Berlin, 13./14.10. 20 Uhr, 15.10. 19 Uhr, Paulus-Kantorei Tempelhof, Leitung Christoph Wilcken, Uraufführung des neu-komponierten Stückes von Matthias Witting, Eintritt Vorverkauf 15 €/erm. 12 €, Abendkasse 18 €/erm. 15 €, www.paulus-kirchengemeinde-tempelhof.de

14.10. bis 15.10 – Kinder-, Jugend- und Familienfestival! , ufaFabrik, Viktoriastr., 12105 Berlin, Unter dem Motto „Am Ohr der Welt“, 11-19 Uhr Musikwelten im sozialen und kulturellen Kontext, Trommeln, tanzen und singen! Lauschen, malen, bauen, basteln und hämmern! Konzertbesuche, mehrsprachige Schnupper-Workshops, Instrumente und Spielwelten verschiedener Kulturen erkunden und probieren, Vorträge, Kinder-Bauernhofbesuch auf dem Gelände, 40 Konzerte von Kinder-, Jugend- und Profiguppen, Musikwelten Berlin in Kooperation mit der ufaFabrik und der Leo Kestenberg Musikschule und der Musikschule City West (Brasilien-Angebote), Eintritt frei, Programminfos: www.musikwelten-berlin.de, www.lkms.de, www.ufafabrik.de/de

15.10. – Saxkick im Café, Alt-Mariendorf 43, Salönchen, 12107 Berlin, 17 Uhr, Leitung: Gerd Olbrisch-Küttner Eintritt frei, www.lkms.de

15.10. – Festkonzert zum Jahr der Oboe, Dorfkirche Alt-Tempelhof, Reinhardtplatz, 12103 Berlin, in Kooperation mit dem Landesmusikrat Berlin, 16 Uhr, Die Oboe von Bach bis Jazz, www.lkms.de

18.10. – Nachhaltigkeit für Kleinstunternehmen und Handwerk, BTZ der Handwerkskammer Berlin, Mehringdamm 14, 10961 Berlin, von 14 -17 Uhr, Musikalische Akzente: Kristoff Becker (mit selbstbebauten Celli), Forum für Einsteiger und Profis im Bereich nachhaltiges Wirtschaften, insbesondere für Inhaber/innen und Mitarbeiter/innen, Freiberufler/innen, Gründer/innen und Nachfolger/innen von Handwerks-, Familien- und Kleinstunternehmen sowie für Netzwerker/innen, Berater/innen und Vertreter/innen aus Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien, Kontakt: Handwerkskammer Berlin, Anmeldungen: Gudrun Laufer Tel.: 030/25903-499; E-Mail: laufer@hwk-berlin.de, Eintritt frei

20.10. – Sir Gusche Band, Gemeinschaftshaus Lichtenrade, Lichtenrader Damm 198-212, 12305 Berlin, Eingang Barnetstr., 19 Uhr, Eintritt frei, http://www.jazzfueralle.de/programm.html

20.10. – VSA – Galakonzert in der Philharmonie Berlin, „Musik kann keine Sünde sein“, Kammermusiksaal, Herbert-von-Karajan-Str.1, 10785 Berlin, Einlass: 13.30 Uhr, Beginn: 14.30 Uhr, Filmmusik der 30er und 40er Jahre mit Bernhard Hirtreiter und Beata Marti, Eintritt 17 €/erm. 6 €, Karten ab sofort

28.10. – Stadtrundgang vom Columbia-Haus zum Schulenburgring, Führung mit Joachim Dillinger, Treffpunkt: 14 Uhr, Luftbrückendenkmal am Platz der Luftbrücke. Im Columbia-Haus befand sich ein „wildes“ KZ, in dem viele Gegner des Nationalsozialismus gefangen gehalten und gefoltert wurden. Im Haus Schulenburgring 2 wurde die Berliner Kapitulation unterzeichnet. Informationen zur Geschichte: www.schulenburgring2.de, Eintritt frei, Anmeldung: E-Mail: Joachim.Dillinger@web.de, Tel.: 030/785 77 39

bis 31.10. – Informationsort-Schwerbelastungskörper General-Pape-Straße/ Loewenhardtdamm, 12101 Berlin, Di /Mi 14-18 Uhr, Do 10-18 Uhr, So 13-16 Uhr, Sonderöffnungszeiten 2017: Tag der Deutschen Einheit 03.10., 14 – 18 Uhr, Reformationstag 31.10., 14 – 18 Uhr, Während der Winterpause vom 01.11.2017 bis zum 02.04.2018 sind auf Anfrage Gruppenführungen möglich, Anmeldung unter Tel. 030/4991 0517, www.schwerbelastungskoerper.de

NOVEMBER

01.11. – Spukvilla-AWO-Lesungen, Lutz Hoff’s Schlittenfahrt“, Albrechtstr. 110, 12103 Berlin, 19 Uhr, Eintritt 10 €, Tel.: 030/7515089

08.11. – VSASeniorengesundheitstag, Nachbarschaftstreffpunkt „Berliner Bär“, Holzmannstr. 18, 12099 Berlin, 10-15 Uhr, Info-Themen: Gesundheit, Sport, Prävention, Eintritt frei

08.11. – VSA-Varieté in der Urania, An der Urania 147, 10787 Berlin, , Stargast: Tina York, 15 Uhr, Preis: 15 €, Karten: ab sofort.

11.11. – Benefizkonzert mit dem Chor „La Voie Mixte“ und Lesung Brigitte Grothum, Glaubenskirche, Alt-Tempelhof, Kaiserin-Augusta-Str. 23, 12102 Berlin, 17 Uhr, Veranstalter: Hospizdienst Christophorus e.V., Manfred-von-Richthofen-Str. 11, 12101 Berlin, Tel.: 030/7899 0602, Eintritt auf Spendenbasis

11.11. – Jazzlounge Gemeinschaftshaus Lichtenrade, Lichtenrader Damm 198-212, 12305 Berlin, Eingang Barnetstr, 19 Uhr, ab 21 Uhr, Jam Session, Ltg. Lutz Fußangel, Eintritt frei, www.jazzfueralle.de 

14.11. und 23.11. – VSA – Besichtigungsführung Staatsbibliothek Haus, Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin, Treffpunkt: 9 Uhr, Hauptfoyer/I-Punkt, Karten ab 24.10.

10 bis 11.11. – Theater Diamant: „Noch ´ne Leiche in Berlin“, Gemeinschaftshaus Lichtenrade, Lichtenrader Damm 198-212, 12305 Berlin, Eingang Barnetstr., 10.11. 20 Uhr und 11.11. 18 Uhr, nach dem Kriminalroman „Der König von Berlin“ von Horst Evers Buch und Regie: Dorothee Wendt, Eintritt frei, www.Theater-Diamant.de

12.11. – Chorkonzert-Kammerchor der Leo Kestenberg Musikschule und der Lichtenrader Männerchor, „Musik im November“, Kirche auf dem Tempelhofer Feld, Wolffring 72, 12101 Berlin, 16 Uhr, Eintritt frei, Spenden erwünscht, www.lmc1911.de, www.lkms.de

VORSCHAU

17.11./18.11./29.11. – KABARETT KORSETT-, Gemeinschaftshaus Lichtenrader, Lichtenrader Damm 198-212, Eingang Barnetstr., 12305 Berlin, 17.09. 20 Uhr, 18.11., 18 Uhr, 29.11., 16 Uhr, Vorbestellung: Email: kabarett-korsett@gmx.de (Petra Tschorn) oder Tel. 030/76503643 (Carla Cygon), Eintritt frei, Spenden willkommen! Pressearbeit: Marina Hermann, Tel. 0171/7242700, E-Mail: mar.heim@web.de, www.kabarett-korsett.de, Aufruf: Wer hat Lust beim Kabarett Korsett mitzumachen?, Ansprechpartner: Dorothee Wendt, Tel.: 030/2808211, E-Mail: post@frauenstimmen.de

02.12. – VSA – Polizeikonzert zur Weihnachtszeit, Festsaal des Gemeinschaftshauses Gropiusstadt, Bat-Yam-Platz 1, 12353 Berlin, Eintritt 10 €, Karten ab 10.10. (Rathaus Tempelhof Zi. 104)

03.12. – VSA – Weihnachtsball-Hotel Estrel, Sonnenallee 225, 12057 Berlin, Tanzmusik mit dem Salon-Orchester Berlin, 14-17 Uhr, Eintritt 7 €/erm. 2 €, inklusive Kaffeegedeck, Karten ab 23.10.

06.12. – VSA – Adventskonzert – „Es ist für uns eine Zeit angekommen“, Ev. Apostel-Paulus-Kirchengemeinde, Klixstraße 2, 10823 Berlin, 14 Uhr-16 Uhr, Eintritt 3 €/erm. 1 €, Karten ab 23.10.

DAUERAUSSTELLUNGEN

Ständig öffentliche Führung: jeden So 14 Uhr, Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße, Werner-Voß-Damm 54 a, 12101 Berlin, Di-Do u. So 14-18 Uhr, Eintritt frei, Tel.: 030/90277 6163, www.gedenkort-papestrasse.de

Historische Führung auf dem Tempelhofer Feld, jeden 2. und 4. Samstag im Monat – 13 Uhr, Treffpunkt: Columbiadamm, Ecke Golßener Straße, KZ, Columbiahaus, Zwangsarbeiterlager, Militärische Luftfahrt, Info: Förderverein für ein Gedenken an die Naziverbrechen auf dem Tempelhofer Flugfeld e.V., www.thf33-45.de

MedienPoint Tempelhof-„Bücherfreund“ und Nachbarschaftstreffpunkt, Werderstr. 13, 12105 Berlin, soziales Projekt des Kulturring in Berlin e.V., eine Sammelstelle für: Bücher, Musik- und Filmkassetten, Spiele etc., in einem kleinen Buchladen werden diese ehrenamtlich angeboten, MedienPoint Macher Henning Hamann und sein Team führt verschiedene kleine Veranstaltungen durch, Schaufensterausstellung, Themenabende Kinderfeste, Lesungen, Tel: 030/7889 3194, Öffnungszeiten: Mo bis Fr: 10 -18 Uhr, mittwochs von 13.30-14.30 Uhr geschlossen! https://www.facebook.com/MedienPointTempelhof?ref=hl

Freier Eintritt – bei Gedenkstätten, regionale und historische Museen sowie Sammlungen, Infos: https://www.berlin.de/museum/einritt-frei/

KIEZKNEIPEN/RESTAURANTS
Bitte Veranstaltungen Nachfragen!

Café Saitensprung, Mariendorfer Damm 38, 12109 Berlin, Tel.: 030/54841948

Keine Eile, Manfred-von-Richthofen- Str. 13, 12101 Berlin, Tel.: 030/47013766

Blumenthal-Eck, Blumenthalstr.12, 12103 Berlin, Tel.: 030/72006053

Tonsai Thai-Restaurant, Kaiserin-Augusta-Str. 73, 12103 Berlin, Tel.: 030/76007018

Restaurant Z, Friesenstr. 12, 10965 Berlin, Tel.: 030/306922716

Restaurant Kartoffelpfanne, Burgherrenstr. 11, 12101 Berlin, Tel.: 030/8925949

Kirsch und Karamell, Café & Bäckerei am Berlinickeplatz, Manteuffelstr. 1-2, Tel.: 030/55273332

Flame Diner, Zehrensdorfer Str. 9, 12277 Berlin, Tel.: 030/28036023

Café „Goldfries“, Friesenstraße 15, 10965 Berlin, Tel.: 030/54978620

WOCHENMÄRKTE IN TEMPELHOF
Bauernmarkt in Lichtenrade, auf dem Pfarrer–Lütkehaus-Platz, am S-Bhf. Lichtenrade, jeden Samstag von 8 bis 14 Uhr

Städtischer Wochenmarkt auf dem Mariendorfer Damm, Mariendorfer Damm 294, Mittwoch und Samstag von 8 bis 13 Uhr

Wochenmarkt Tischenreuther Ring, (zwischen Waldsassener und Wiesauer Straße), Tirschenreuther Ring 40, 12279 Berlin-Marienfelde, Donnerstag von 12 bis 17 Uhr

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Editorial

Guten Tag liebe Leserin, lieber Leser in Tempelhof und anderswo

Wissen Sie, was Posamenten sind? Katrin Schwahlen hat mit dem Posamenten-Meister Günter Wagler gesprochen und lässt uns in der Titelgeschichte an seiner Kunst teilhaben.

Christoph Schröder stellt den Fotoband „Tempelhof in alten Bildern“ vor. Auch Brigitta Heinrich und Ralf Jacob haben Buchtipps.

Christoph Wilcken, der bekannte Kantor der Paulus-Gemeinde Tempelhof, geht demnächst in den Ruhestand. Wir würdigen seine Arbeit und besprechen sein neuestes und letztes Projekt.

Kurz vor den Wahlen müssen wir uns mit einer „Plakatkunst“ auseinandersetzten, die so trostlos ist, dass man sie nur noch weglachen kann. Lesen Sie auch die Kolumne von Ulrike Stutzky zum Thema.

Marlies Königsberg berichtet über das wiedereröffnete Restaurant Tramonto und das Café Goldfries an der Grenze zum Nachbarbezirk Kreuzberg.

Apropos: Haben Sie Lust beim tempelhofer journal mitzuarbeiten? Wir können Verstärkung gebrauchen. Werfen Sie einen Blick auf unseren Aufruf. 

Wir waren auf dem ersten Kiezflohmarkt in der John-Locke-Siedlung und haben fotografiert.

Wie immer im Heft: Unser Straßenrätsel, bei dem sie eine Flasche Monatswein der Tempelhofer Bücherstube gewinnen können.

Einen schönen Herbstanfang wünscht im Namen des gesamten Teams

Ihr Karl-Heinz Kronauer

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Kolumne

Wahlkampfshow und politischer Alltag

Kurz vor der Bundestagswahl hat sich beinahe die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger noch für keine der Parteien entschieden. Könnte also spannend werden, sollte man meinen. Nur ist von Wahlfieber nirgends etwas zu spüren.

Allerorten begegnet man politischem Frust und Parteienverdrossenheit. Ein großer Teil des Wahlvolkes meint keinen Unterschied zwischen den Parteien zu erkennen. Der Grundtenor ist: „Wahlen ändern nichts.“

Dabei kann man den Politikern zwar sicher Einiges vorwerfen, Untätigkeit in Zeiten des Wahlkampfes aber nicht. Überall tauchen sie auf, auf Plakaten und an Infoständen, in Talkshows und den sozialen Netzwerken. Trotzdem gelingt es Merkel, Schulz und Co. nicht, die Massen zu überzeugen, geschweige denn zu begeistern. Nirgends ist ein Obama in Sicht, kein Macron wird wie ein Superstar gefeiert. Stattdessen Langeweile.

Mit provokanten Dreistigkeiten, publikumswirksamen Selbstzerfleischungen und gestylten Spitzenkandidaten versuchen die kleinen Parteien zwar noch etwas Show zu machen, aber auch sie schaffen es nicht, mit politischen Ideen zu begeistern. Schlagworte werden aneinandergereiht, Binsenweisheiten ausposaunt, und über allem thronen die altbekannten Gesichter.

Wer jedoch von dieser Substanzlosigkeit des Wahlkampfes Rückschlüsse auf die Inhalte der Parteien ziehen will, verkennt Sinn und Zweck der Veranstaltung. So wenig wie Bonbonwerbung etwas mit seriöser Ernährungsberatung zu tun hat, so wenig hat Wahlkampf mit dem alltäglichen, oft zähen politischen Geschäft zu tun. Wahlkampf ist eine Tradition, mit der keine Partei brechen will. Wahlkampf gehört zu den Wahlen wie Sahne auf den Pflaumenkuchen. Sein Unterhaltungswert reicht jedoch nicht an den der Realityshows und Daily Soaps heran.

Vor allem aber sind Wahlkampf und politischer Alltag nicht identisch. Politik ist mehr als Talkshow-Auftritte, deutschnationale Bikinimädchen und flotte Sprüche. Oft ist Politik öde, kompliziert, unerfreulich, sie kann aber auch spannend und existenziell sein. Und Politik findet immer statt, auch wenn all die Wahlkampfplakate bereits eingestampft sind …

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Brigitta Heinrichs Leseecke

Mein Lieblingsbuch: Voosen/Danielsson: Der unerbittliche Gegner. Ein Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss (Band 5)

Schweden im Winter: Eine Frau wird grausam ermordet, als sie nach der Sauna in ein Eisloch im zugefrorenen See taucht. Weitere Leichen folgen. Die Spuren weisen eindeutig daraufhin, dass es sich um denselben Täter handelt. Aber was verbindet die von Herkunft und Hintergrund so unterschiedlichen Opfer? Die Versuche den Computer des ersten Opfers zu entschlüsseln, ziehen sich durch die gesamten Ermittlungen. Dazwischen geschnitten ist die Geschichte eines Kindersoldaten aus dem Kongo. Stina Forss stößt schließlich auf eine rechtsextreme Gruppe. Am Ende gibt es dramatische Wendungen und einen ebenso dramatischen Showdown. Das Geheimnis, das Forss und ihren mittlerweile verstorbenen Vater umgibt, scheint sich der Aufklärung zu nähern.
KiWi 2016, TB 426 Seiten, 9,99 €

 

Bestseller der Tempelhofer Bücherstube im Juli/August 2017
  1 – Die Geschichte der Bienen, Maja Lunde, 509 S., btb, 20 €
  2 – Stille Wasser, Donna Leon, 342 S., Diogenes, 24 €
  3Djadi, Flüchtlingsjunge, Peter Härtling, 115 S., J. Beltz, 12,95 €
  4Ein wenig Leben, Hanya Yanagihara, 960 S., Hanser Berlin, 28 €
  5 – 4 3 2 1, Paul Auster, 1296 S., Rowohlt, 29,95 €
  6 – Eine kurze Geschichte von sieben Morden, Marlon James, 858 S.,

        Heyne, 27,99 €

  7 – Paul McCartney, Philip Norman, 972 S., Piper, 32 €
  8 – Überbitten, Deborah Feldman, 704 S., Secession, 28 €
  9 – Ein Festtag, Graham Swift, 142 S., dtv, 18 €
10 – Sieben Nächte, Simon Strauß, 144 S., Blumenbar, 16 €
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Kochbuch

Soljanka, Ragout fin und Kalter Hund – Ostdeutsche Gerichte mit Geschichte(n)

Bodenständig und erfindungsreich – die ostdeutsche Küche ist eine Wiederentdeckung wert. 44 Rezepte von der Ostsee bis zum Erzgebirge: Profikoch Herbert Frauenberger zeigt Ihnen wie Sie die Klassiker Soljanka, Ragout fin und Kalter Hund zubereiten. Darüber hinaus gibt es zu jedem Rezept die passende Geschichte seiner Entstehung – dass alles hübsch verpackt in einem kleinen Büchlein. Lassen Sie es sich schmecken! Ralf Jacob

BuchVerlag für die Frau, 9,95 €

Köstritzer Schwarzbiersuppe

  • 50 g Champignons, 50 g saure Gurke, 50 g Zwiebel,
  • 30 g durchwachsener Speck, 30 g Butter, 1 Knoblauchzehe, 1/3 l Köstritzer Schwarzbier, 3/4 l kräftige Rinderbrühe,
  • 150 g Schwarzbrot ohne Rinde, Salz, Pfeffer,
  • 1 Kästchen frische Gartenkresse

Die geputzten Champignons, die saure Gurke und die gepellte Zwiebel fein hacken, den Speck in kleine Würfel schneiden. In der geschmolzenen Butter die feinen Speckwürfel leicht ausbraten und dann die Zwiebelwürfel glasig anschwitzen. Nach Belieben gibt man die fein geschnittene und mit Salz verriebene Knoblauchzehe dazu.

Nun die Champignons und die saure Gurke zufügen und alles gut durch schwenken. Schwarzbier und Brühe zugießen und alles aufkochen lassen. Das entrindete Schwarzbrot zerbröseln, zur Bindung der Suppe zugeben und kurz mit kochen (man kann prima auch altbackenes Brot dafür verwenden). Anschließend die Suppe gründlich mit dem Mixstab pürieren, noch einmal vorsichtig aufkochen lassen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Beim Anrichten mit gehackter Gartenkresse bestreuen.

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Rätsel

Welche Tempelhofer Straße ist gemeint?

Er wurde Mitte des 18. Jahrhunderts geboren und erwarb große Verdienste als Reformer, Befreier, Organisator und Abschaffer ständischer Beschränkungen. Wer war der Staatsmann, dem wir nicht nur das Ende der Leibeigenschaft zu verdanken haben.

Nach ihm wurde im Kiez eine Straße benannt. Viel Spaß beim Raten!

Ihre Lösung senden Sie bitte bis zum 23.10.2017 an Karl-Heinz Kronauer/ „tempelhofer journal“, John-Locke-Straße 18a, 12305 Berlin oder per E-Mail an: info@tempelhoferjournal.de.

Auflösung aus der Ausgabe 04/2017. Gesucht war der Scheerbartweg, benannt nach dem Schriftsteller Paul, Scheerbart. Richtig geraten und gewonnen hat unser Lesererin Hannelore Müller, aus 12107 Berlin. Herzlichen Glückwunsch, Frau Müller! Sie haben eine Flasche Wein gewonnen. Bitte rufen Sie die Redaktion an, Telefon: 030/5887 7452 oder 0173/8086 016, damit wir die Übergabemodalitäten besprechen können.

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Plakatkunst in Tempelhof und sonst wo

Erwartete Einfallslosigkeit

Bundestagswahlkampf 2017 – und wieder bereichern Plakate aller Parteien das Stadtbild.

Die Redaktion des tempelhofer journals fotografierte die Materialschlacht, die wenigstens ein Gutes hat: Von der Plakatierung profitieren immerhin Agenturen und Druckereien, die mit solchen Aufträgen am Wirtschaftskreislauf teilhaben.

Die optische Einfallslosigkeit dieses künftigen Papiermülls wird nur noch von seiner sprachlichen übertroffen: Parolen, Plattitüden, Phrasen, wohin man schaut.

Tatsächlich finden 30 Prozent der Wahlberechtigten alle Parteien unwählbar; man nennt sie Nichtwähler. 2009 etwa waren das mehr Menschen als die, die CDU gewählt haben. Die Reformbedürftigkeit des demokratischen Systems, die drängenden Probleme – das alles steht in schreiendem Widerspruch zu den hohlen Sprüchen, den leeren Versprechungen, dem inhaltlichen Nichts auf den Plakaten.

Zu den ausgewählten Wahlplakaten sind uns ein paar Repliken eingefallen.

Ja, nee, is klar..! Gilt besonders für Armutsrentner, Leiharbeiter, Niedriglöhner, Arbeitslose …

Aber wirklich nur etwas Anstrengung! Denn eigentlich, SPD, willst du doch das Abitur für alle …

Nur die Kinder?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleinstparteien dürfen gaga sein.

Wollt ihr es nicht mal in Nordkorea probieren?

Wogegen kämpft ihr eigentlich? Ehrlich gesagt, wir haben in Deutschland noch nie eine Burka gesehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Na, wie und mit wem kommt sie denn?

Was sucht er bloß da unten … die verlorenen Wählerstimmen?

Die Piraten! Ja, gibt’s die denn immer noch?

Was wollen die Parteien mitteilen, warum wollen sie am 24. September gewählt werden?

Fehlen hier nicht eigentlich alle relevanten und brisanten Themen? Energiewende (gescheitert?), heruntergekommene Infrastruktur, Terrorismusgefahr, Migrationsdruck, die EU nach dem Brexit, das Verhältnis zur Türkei, mehr Arbeitnehmer denn je im Leiharbeits- und Niedriglohnsektor, der Umgang mit politischem Extremismus …

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Uraufführung des Crossover-Oratoriums PAULUS VON TARSUS

„Last call“ vom Kantor Christoph Wilcken

©Paulus-Kirchengemeinde Tempelhof

Kantor ist ein sehr vielfältiger Beruf. Das lateinische Wort, von dem sich die Bezeichnung ableitet, lautet „cantare“ (lateinisch für „singen“). Ein Kantor ist – wörtlich übersetzt – also ein Sänger.

Im kirchlichen Sinn bedeutet das: ein hauptamtlichen Kirchenmusiker. Der Kirchenchor, den er leitet, nennt sich Kantorei (lateinisch für “Sängerschaft”).

In absehbarer Zeit geht der Kantor der Evangelischen Paulus-Kirchengemeinde Tempelhof Christoph Wilcken, in den Ruhestand. Zum Abschied und Schlusspunkt seiner 35jährigen Tätigkeit als Orgelorganist und engagierter Chorleiter an der evangelischen ‚Kirche auf dem Tempelhofer Feld‘ finden im Oktober in der Rundkirche drei Konzerte mit einem neu komponierten biblischen Oratorium über den Apostel Paulus unter seiner Leitung statt.

Ein großartiges weiteres Experiment zeitgemäßer Kirchenmusik 

„Paulus von Tarsus“ entstand, weil kaum jemand etwas vom Leben des Paulus von Tarsus weiß. Als Christenverfolger, Prediger und Missionar lebte er im Jahre 10 bis etwa 64 nach Christus. Die von ihm überlieferten Briefe gelten als die ältesten christlichen Dokumente.

Das mit über 20 Profimusikern, drei Solisten und Chor besetzte Stück stammt vom Berliner Musiker, Komponisten und Regisseur Matthias Witting (von „Linie 1“), der bereits 2009 für die Paulus-Kantorei den alttestamentlichen Hiob als Rock-Oratorium komponiert hatte.

Info: Konzerte am 13.10./14.10. Beginn: 20 Uhr und am 15.10. um 19 Uhr, Eintritt: Vorverkauf: 15 €, ermäßigt 12 € und Abendkasse: 18 €, ermäßigt 15 €, Uraufführung des Crossover-Oratoriums PAULUS VON TARSUS, Kirche auf dem Tempelhofer Feld, Wolffring 72, 12101 Berlin, Mitwirkende: Nini Stadlmann (Sopran), Stephan Gähler (Tenor), Markus Gartschock (Bass).Vorverkauf: Tempelhofer Bücherstube, Manfred-von-Richthofen-Str. 19, 12101 Berlin, Telefon: 030/788 950 57, Gemeindebüro Badener Ring 23, 12101 Berlin, Telefon: 030/786 53 35, Familienzentrum Götzstraße 24a, 12099 Berlin, Telefon: 030/756 83869 und Küsterei Kaiserin-Augusta-Straße 23, 12101 Berlin, Telefon: 030/752 80 63

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Christoph Wilcken und „seine“ Kirchenorgel

Ein musikalisches Arbeitsleben

Christoph Wilcken geht in Rente, doch seine musikalische und schöpferische Arbeit ist noch lange nicht vorbei ©Paulus-Kirchengemeinde Tempelhof

Christoph Wilcken begann seine Ausbildung zum Organisten mit 12 Jahren und studierte ab 1973 an der Berliner Hochschule für Musik am Hardenbergplatz. Frühzeitig hatte sich herausgestellt: Musik ist seine Leidenschaft, er hat das absolute Gehör. Eine wunderbare Sache, aber  ein wenig problematisch, wenn man sich als Chorleiter permanent mit falschen Tönen auseinandersetzen muss.

Während seines Studiums  begleitete er ab 1975 einige Kinder-Bibel-Wochen in der Kirchengemeinde Alt-Tempelhof – zu dieser Zeit machte er Bekanntschaft mit dem dortigen Chorgesang.

Schwerpunkte seiner Kantorentätigkeit waren neben der Kirchenmusik, dem 4händigem Orgelspiel mit dem damaligen Kantor Georg Aubert, die traditionelle Chorarbeit und Singen mit Kindern im Wedding, in Neukölln wie später in Tempelhof.

Eine Weiterbildung Ende der siebziger Jahre für Pop- und Rockmusik war dabei sehr hilfreich. Allerdings war diese Erweiterung seines musikalischen Handwerkszeugs nicht ganz einfach, galt diese Ausrichtung doch als Verrat an der geistlichen Musik. Für ihn jedoch war diese Ausdehnung ein Segen, erschlossen sich ihm doch neue Welten in den Bereichen Rhythmus, Harmonie und freie Improvisation. Die große Kirchenorgel war dazu ein besonders effektives Instrument. Seine Konzerte bei zahlreichen Veranstaltungen und Gottesdiensten wurden legendär.

Als die Ortsgemeinde Neu-Tempelhof infolge einer Fusion im Jahre 2005 den Namen des Apostels bekommen hat, erhielt der Kirchenchor an der Rundkirche seinen neuen Namen „Paulus-Kantorei“. Nach und nach kam es zu hörenswerten Aufführungen mit kleinem wie großem Orchester; zuletzt konnte 2016 Haydns Schöpfung mit historischen Instrumenten aufgeführt werden. „Wer singt, betet doppelt!“ soll der Kirchenvater Augustin gesagt haben und deshalb fühlen sich die ca. 50 Sängerinnen und Sänger dank der einladenden Präsenz von Kantor Wilcken seit langem als Musikanten ihrer Kirche im Kiez.

Christoph Wilckens Kinder- und Jugendarbeit war und ist vom Feinsten! Viele Kindern und Jugendlichen hat er bei der Auseinandersetzung mit Musik unterstützt und dauerhafte Kontakte mit Chor- und Instrumentalmusik vermittelt. Für Schulklassen und Orgelfreunde gab es Orgelführungen. Viele Gemeindemitglieder erhielten Musikunterricht, erlernten ein Instrument. In der Gemeinde ist er beliebt und seit Generationen bekannt.    Marlies Königsberg und Karl-Heinz Kronauer

Kontakt: Christoph Wilcken; Tel.: 030/786 8624, kantor.wilcken@rundkirche.de Info: http://www.paulus-kirchengemeinde-tempelhof.de/

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