Rund um die alte Mälzerei: Vision und Wirklichkeit

Alte Mälzerei: ein imposantes Bauwerk als Mittelpunkt im Quartier ©UTB Projektmanagement GmbH

Neues Stadtquartier in Lichtenrade

Ein wunderschönes altes Industriebauwerk als Mittelpunkt des Kiezes, mit Stadtteilbücherei und Musikschule, Volkshochschule, Kindergarten und Jugendmuseum, Kino, Kleinkunstbühne, soziale Träger und Start-ups. Umgeben von modernen Wohnhäusern, nachhaltig und ökologisch gebaut, zu zwei Dritteln in Genossenschaftshand. Sozial verträgliche Mieten. Freie Wege und offene Sichtachsen zwischen Häusern und Grünflächen. Kaum Autos und trotzdem mobil. Und die seltenen Turmfalken sollen auch weiterhin hier brüten können.

Wenn Thomas Bestgen von der alten Mälzerei, Haus Buhr und dem entstehenden Wohngebiet nördlich des Lichtenrader Bahnhofs spricht, klingt das visionär und handfest zugleich.

Visionär, weil der 53-jährige Unternehmer das neue Stadtquartier schon 2022 eröffnen will – als urbanen Raum, in dem sich die Menschen gerne aufhalten. Handfest, weil der gebürtige Westfale viel Erfahrung mit Projektentwicklung, -steuerung und -finanzierung hat.

Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann hat Thomas Bestgen Betriebswirtschaftslehre studiert und sich schon früh mit Genossenschaftsmodellen beschäftigt. „Das Besondere an Genossenschaften ist, dass sie nicht fremdbestimmt sind. Genossenschaftliche Projekte gehören den Mitgliedern und unterliegen einem strengen demokratischen Prinzip.“

In Zeiten von Immobilien- und Finanzkrisen sind genossenschaftliche Wohnformen ein sehr beständiges Geschäftsmodell: Die Einlagen sind gut verzinst, die Mieten sind bezahlbar, die Mieterinnen und Mieter haben ein Dauerwohnrecht – und gute Nachbarschaft gelingt auch meistens.

Thomas Bestgen, Eigentümer der alten
Mälzerei in Lichtenrade
©UTB Projektmanagement GmbH

Als Thomas Bestgen 1996 die UTB Projektmanagement GmbH für nachhaltige Stadtentwicklung gründet, spielt der Genossenschaftsgedanke auch hier eine große Rolle. Im Laufe der Jahre wird er mit seinem Team rund 15 Genossenschaften gründen und begleiten. Vielleicht habe es mit seinem Elternhaus zu tun, meint der Unternehmer und Vater von drei Kindern. „Gemeinschaft hatte bei uns immer einen hohen Stellenwert. Wir sind im Vereinssport groß geworden und waren alle immer ehrenamtlich tätig. Ich habe von klein auf mitbekommen, was man gemeinschaftlich schaffen kann.“

Nachhaltige Stadtentwicklung bedeutet für den Geschäftsführer eine „gute Mischung aus Bewohnerinnen und Bewohnern mit unterschiedlichen Einkommensstufen und Nutzungsinteressen.“ In Kombination mit moderner Technologie und intelligenter Planung, hoher Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit führe diese Mischung zu stabilen Nachbarschaften und einer lebenswerten Stadt – oder eben eines Stadtteils.

Auf gute Nachbarschaft

Das neue Quartier rund um die Mälzerei zu entwickeln, sei etwas Besonderes, meint Bestgen. „Es ist ein Geschenk, dass die Mälzerei allein als Bauwerk schon eine Ausstrahlung hat. Das Schöne ist, dass wir viel Zeit haben. Es gibt keinen Verwertungsdruck. Wir sind nicht investorengetrieben, sondern können in aller Ruhe entscheiden, was entstehen soll.“ Das ist möglich, weil Bestgen gemeinsam mit seiner Frau die alte Mälzerei, den Wohnblock und das Haus Buhr privat gekauft hat.

Ausgeklügeltes Transportsystem
für die Bierbrauerei
©UTB Projektmanagement GmbH

Neues macht oft Angst, vor allem, wenn man sich die Veränderungen nicht selbst ausgesucht hat. Mit ein Grund, warum trotz großer Wohnungsnot viele Menschen nicht wollen, dass sich in ihrem Kiez etwas ändert. Oft fürchten sie steigende Mieten und die damit verbundene Gentrifizierung. Thomas Bestgen weiß um die Sorgen und setzt deswegen auf Kommunikation und Transparenz. Schon 2016 gab es erste Treffen mit den Anwohnerinnen und Anwohnern, im Jahr danach wurde ein Nutzungskonzept vorgestellt. Auch für die geplanten Häuser setzen der Projektentwickler und sein Team auf Bürgerbeteiligung. „Wir wollen früh wissen, wie die Menschen wohnen wollen, wie sie Nachbarschaft wollen. Erst wenn das klar ist, können wir den Architekten sagen, wie sie planen sollen. Denn Architektur muss Gemeinschaft möglich machen, so dass die Menschen sich auch begegnen können.“

Becherwerk, mit dem Gerste
und Malz zwischen Keller
und Dachgeschoss transportiert
wurden ©UTB Projektmanagement GmbH

Und weil Nachhaltigkeit eine ebenso große Rolle spielt, ist im neuen Quartier auch Carsharing geplant. „Wir werden das Auto nicht negieren können“, sagt Bestgen. „Deswegen gibt es in der Tiefgarage ein Mobilitätsangebot für diejenigen, die nur temporär ein Auto brauchen.“

Die vier neuen Häuser sollen rund um die Mälzerei gebaut werden, zwei Drittel davon für genossenschaftliches Wohnen. „Unsere Sozialmieten werden bei 6,50 Euro liegen.“ Das sei zwar nicht wirtschaftlich, sagt der Bauherr, aber sozialverträglich. „Wir wollen ja nicht nur vermögende Genossenschaftsmitglieder.“ Gegenfinanziert wird durch Eigentumswohnungen. Und auch hier hat der Projektentwickler eine klare Haltung: „Wir könnten alles in Eigentum machen, aber das ist nicht unsere Leitlinie. Unsere Idee ist die Mischung – eine bunte Mischung von Menschen für eine gute Nachbarschaft. Das muss man wollen. Und wir wollen das.“

Stromschaltersysteme aus dem 19. Jahrhundert
©UTB Projektmanagement GmbH

Bestgen und sein Team kennen sich aus mit der Entwicklung von Stadtquartieren und genossenschaftlichem Bauen: In der Fidicinstraße haben sie ein denkmalgeschütztes Ensemble in ein modernes Wohnprojekt für angestammte Nachbarn umgewandelt. Das markant rote Lokdepot am Gleisdreieckpark in Schöneberg wurde 2015 mit dem Deutschen Architektenpreis ausgezeichnet, in Weißensee war im Februar Baubeginn für ein neues gemeinschaftliches Quartier. Auch in Weimar und Greifswald hat die UTB Quartiers- und Wohnprojekte mit internationalen Planern umgesetzt. Trotz dieser Erfahrungen ist das Projekt in Lichtenrade für Thomas Bestgen etwas Besonderes. Als Student hat er in Lichtenrade gewohnt, seit mehr als 20 Jahren lebt er mit seiner Familie in Tempelhof. Seine Kinder sind hier geboren und gehen hier zur Schule. „Von daher ist es viel näher und vertrauter.“

Moderner Dorfplatz mit historischen Strukturen

„Wir wollen, dass die Mälzerei öffentlich genutzt werden kann, damit es lebendig wird. Ich möchte nicht, dass das Gebäude eine uneinnehmbare Burg wird. Ich möchte die Distanz zwischen den Menschen und diesem Wahnsinnsgebäude aufheben.“ Bestgen will Allmendeflächen schaffen, also Räume und Flächen, die von allen Besucherinnen und Besuchern genutzt werden können. Mit dem Bezirk hat er sich darauf geeinigt, dass die Stadtteilbücherei mit einem Café in den ersten beiden Etagen ihren Platz findet. „Die Bibliothek bekommt eine Galerieebene, so dass man auch von unten einen weiten Blick hoch durch die Halle und die beiden Stockwerke hat. Ich möchte die Mälzerei öffnen, auch optisch mit großen Fenstern, damit es eine gläserne Mälzerei wird.“ Diese Vision könnte sich erfüllen, denn nach eineinhalbjähriger Diskussion hat die Denkmalschutzbehörde Zustimmung signalisiert. „Es kann das ein richtig kunterbunter lebendiger Stadtteil werden. Das ist unser Ziel.“

Dieses Ziel will Bestgen in vier Jahren erreicht haben. Erster Schritt sei die Eröffnung der Mälzerei im Jahr 2019, die Neubauten sollen 2022 fertiggestellt werden, wenn auch der Wiederaufbau der Fernbahnstrecke beendet ist.

Nachdem die Lichtenrader Bürgerinitiative mit ihrem Vorschlag gescheitert ist, einen Tunnel statt einer Lärmschutzwand quer durch den Ort zu bauen, hat sich Thomas Bestgen mit der Deutschen Bahn zusammengesetzt, um seine Vorstellungen von nachhaltiger Stadtentwicklung zu diskutieren. „In dem Gerichtsurteil steht, dass die Bahn die Erschließung des Haus Buhrs und des Quartiers qualifizieren muss. Das haben sie aus unserer Sicht nicht gemacht. Aber wir haben eine Treppe ausgehandelt. Das ist unsere Achse, damit die Menschen von der S-Bahn direkt an der Mälzerei entlang ins Wohnquartier kommen.“

Wohnen, arbeiten, leben

Als ein Investor das ehemalige Landhaus 2011 und umliegende Wohnungen abreißen und eine Shopping Mall errichten wollte, hatten sich viele Lichtenrader zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen und gegen diese Pläne protestiert. Thomas Bestgen hat sich mit den Akteuren und dem Aktiven Zentrum getroffen, um gemeinsam zu überlegen, wie man dem Haus zu neuem Leben verhelfen kann. „Da sind ganz viele Ideen gesprudelt. Der Bezirk hat daraufhin eine Machbarkeitsstudie anfertigen lassen, die Interessen decken sich mit unseren als Eigentümer zu 99 Prozent. Und das ist ein sehr guter Ansatz. Jetzt gibt es eine weitere Studie über ein Einzelhandels- und ein Nutzungskonzept für Gewerbeflächen auf der gesamten Bahnhofstraße. Haus Buhr ist Teil davon.“

Wieder zeigt sich, wie wichtig Partizipation und Kommunikation sind. Es gebe viele Interessierte, die sich an den Diskussionen beteiligten, sagt Thomas Bestgen. „Wir sind ganz offen und für einen Beteiligungsprozess, damit die Bürger ein Stück weit selber mitmachen.“

Visionen werden Wirklichkeit

Der Bauantrag für die Mälzerei ist gestellt, die Bebauungspläne lagen von Mitte Februar bis Mitte März öffentlich aus. Der Bebauungsplan für die Neubauten muss noch entwickelt werden. Thomas Bestgen ist zuversichtlich, dass er seinen Zeitplan halten kann. „Das Land Berlin und seine Bezirke haben es sich auf die Fahne geschrieben, Bebauungsplanverfahren innerhalb von zwei Jahren abzuschließen. Wir sind überzeugt, dass unser Heimatbezirk das auch leisten kann.“ Damit steht einem neuen und lebendigen Stadtquartier in Lichtenrade hoffentlich nichts mehr im Weg. Katrin Schwahlen

Info: Alte Mälzerei: Steinstraße 37-41, 12307 Berlin, http://alte-maelzerei-lichtenrade.tumblr.com/ sowie www.utb-berlin.de 

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Editorial

Guten Tag liebe Leserin, lieber Leser …

Großes geschieht in Tempelhof. Die alte Mälzerei wird Kulturzentrum und Mittelpunkt eines neuen Stadtquartiers in Lichtenrade. Katrin Schwahlen schrieb unsere Titelgeschichte.

Christoph Schröder war bei Helga und Lothar Weißgerber in Lichtenrade. Das Ehepaar hat in jahrzehntelanger Arbeit den Weißgerber Lesezirkel – heute unter der Leitung von Ute Weißgerber-Knop – zum Marktführer in Berlin gemacht.

Wir beglückwünschen die Mariendorfer Judo-Legende Lothar Nest zum 10. Dan, der höchsten Auszeichnung im Budo-Sport. Marlies Königsberg war bei der Feier.

Karl-Heinz Kronauer bewegt sich auf den Spuren des Mariendorfer Displaced-Person-Lagers und erklärt die Hintergründe.

Mitte April wird Berlins ältester Fußballverein, der B.F.C. Germania 1888, 130 Jahre alt. Feiern Sie mit!

In unserer Kolumne “Tempelhof, Berlin und die Welt“ hinterfragt Thomas Bindernagel die Rücksichtslosigkeit in großen Teilen unseres Zusammenlebens.

Informationen, Lesetipps, Anregungen, Rätsel, Veranstaltungshinweise, all dies finden Sie wie gewohnt auch in dieser Ausgabe des tempelhofer journals!

Einen wunderbaren Start in den Frühling wünscht

Ihr Karl-Heinz Kronauer

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Kolumne

Rücksichtslosigkeit

Rumms! Ich spüre den Aufprall des Einkaufswagens gegen meine arglose Ferse. Die zittrigen Metallstreben des Wagens klirren. Ich blicke mich um und sehe einen gehetzt wirkenden Mann, dem nichts wichtiger ist als seine Waren nach dem Scannen schnell wieder in den Wagen zu legen. Ob ich da noch stehe und mein Wechselgeld verstaue oder nicht, scheint keine Rolle zu spielen. Der Mann blickt mich ebenfalls an. Doch die angebrachte Entschuldigung kommt ihm nicht über die Lippen.

Auf dem Heimweg vom Supermarkt sehe ich blaue Lichter tanzen. Scheinbar hat es an der Kreuzung wieder einen Unfall gegeben. Offenbar kamen auch Personen zu Schaden. Jedenfalls sehe ich Rettungskräfte hektisch einen der Unfallwagen aufstemmen. Doch sie sind nicht allein. Nur wenige Meter entfernt haben sich Schaulustige versammelt, denen dieser wertneutrale Begriff nicht gerecht wird. Es sind Gaffer. Sie behindern die Sanitäter dabei, Leben zu retten. Sie verletzen Persönlichkeitsrechte und den Anstand. Ich gehe an ihnen vorbei und muss mich zusammenreißen, sie nicht anzuschreien. Es würde eh nichts nützen.

Auf der Kreuzung hupen sich die Autos an. Scheinbar ist den etwas weiter hinten stehenden Fahrzeugführern nicht klar, dass ein Unfall nun einmal Priorität vor einer grünen Ampel hat. Ein Mercedes versucht, einen wartenden LKW zu umschiffen. Der Fahrer flucht wütend. Hupen, Gasgeben und Bremsen wechseln sich ab. Eine Atmosphäre der Rücksichtslosigkeit herrscht. Doch nicht nur hier an dieser Kreuzung, sondern auch im Supermarkt – ja eigentlich, so scheint es mir, in der ganzen Stadt.

Es stimmt mich traurig, dass die Menschen in dieser Stadt offenbar verlernt haben, rücksichtsvoll und freundlich miteinander umzugehen. Vielleicht war das einmal anders, vielleicht wünsche ich mir auch nur, dass es mal anders war. Mich jedenfalls bedrückt es. Wäre dem gehetzten Einkäufer seine Tiefkühlkost verdorben, wenn er einfach zehn Sekunden verharrt hätte, als ich mein Kleingeld einsteckte? Haben die Gaffer ihren gelangweilten Ehepartnern sonst nichts zu erzählen, wenn sie nicht brühwarm von Blut und Splittern berichten können? Geht es dem ständig Hupenden wirklich besser oder wäre ein wenig mehr Entspannung vielleicht sogar für ihn selbst angenehmer?

Bepackt mit meinen Einkäufen erreiche ich den Hauseingang. Meine Nachbarin, ein junges Mädchen, hält mir die Tür auf und lächelt mich an. Es gibt Hoffnung, denke ich, während das Hupen durch die sich schließende Haustür gedämpft wird.

Freier Autor

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Yoga-Übungsprogramm mit Tanja Mahel

Yogalehrerin Tanja Mahel mit Ihren TeilnehmerInnen bei Übungen im Hatha Yoga ©Thomas Biegel

Kraftquellen gegen Alltagsbeschwerden

Seit Herbst 2017 befindet sich im „Raum für Gesundheit“ in der Colditzstr. 33 das Yoga-Angebot „Hatha for You“. Das tempelhofer journal traf dort die Yogalehrerin Tanja Mahel.

tempelhofer journal: Was bedeutet und bewirkt Yoga?

Tanja Mahel: Yoga bedeutet wörtlich so viel wie zu verbinden oder Einheit. Damit ist gemeint, wieder eine Verbindung zwischen Körper und Geist zu spüren. Das Zusammen-bringen von Körper, Geist und Emotionen und hierin ein Gleichgewicht zu schaffen. Praktisch gesehen ist Yoga erreicht, wenn der Geist zur Ruhe kommt. Yoga kann dazu beitragen, Stressreaktionen langfristig zu mildern und den Körper in eine gesunde Balance von An- und Entspannung zu bringen. Wer seine Gedanken aufmerksam beobachtet und Emotionen nachspürt, erlangt Kontrolle über sein Fühlen und Denken und kann Belastungen besser standhalten. Durch die zahlreichen Yoga-Haltungen geht der Mensch aufrechter und optimistischer durchs Leben, es verbessert automatisch die Körperhaltung. Yoga ist für mich eine Form von Lebenshilfe.

Wie sind Sie auf ihr Logo und den Namen „Hatha for You“ gekommen?

Hatha-Yoga ist die Ursprungsform des körperorientieren Yoga. Hauptsächlich werden hierbei Körperübungen (so genannte Asanas) sowie Atem- und Meditationsübungen praktiziert. Vielfältige weitere Yogastile haben sich hieraus entwickelt. Beim Begriff Hatha steht die Silbe „Ha“ für Sonne (Kraft, erhitzend), die Silbe „tha“ für Mond (Stille, kühlend).

Egal wie es einem körperlich und geistig geht, Yoga erreicht aus meiner Sicht, auf einer tieferen Ebene, jeden Menschen. Aus diesem Grund habe ich „ Hatha“ mit „ for you“ ergänzt. Der Diamant im Logo wirkt im Yoga zunächst eher ungewöhnlich. Er steht symbolisch für die persönlichen Entwicklungen, die Yoga ermöglicht. Es wirkt wie eine Art Diamantenschleifer. Du bist selbst wie ein Diamant; nach und nach bringt Yoga strahlende neue Qualitäten hervor. So entstand der Name und das Logo mit dem Schriftzug: „Hatha for You“.

Wie kamen Sie zum Entschluss Yogalehrerin zu werden?

Yoga begleitet mich seit über 20 Jahren. Im Rahmen einer beruflichen Auszeit wollte ich mich in der eigenen Yogapraxis weiter entwickeln, da kam die Ausbildung wie gerufen. Die Freude am Unterrichten entdeckte ich währenddessen. Als mein Studio in Tempelhof geschlossen wurde, suchte ich nach Angeboten und fand die Auswahl im Kiez eher bescheiden. So entschied ich mich eigene Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene anzubieten. Und es war das Beste, was mir geschehen konnte! Ich liebe die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten im Yoga. Im meinen Kursen wandle ich die Inhalte gern immer wieder etwas ab, das passt gut zu meiner Lebendigkeit und meinem Interesse an neuen Entwicklungen. Die Kurse werden gut angenommen, weitere Angebote sind in Planung. Marlies Königsberg

Kontakt. Tanja Mahel, E-Mail: mail@hathaforyou.de, Tel: 01577/3161 363,

Info: www.hathaforyou.de

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130 Jahre B.F.C. Germania 1888

Jubiläumsfeier nicht nur für Fußballfans!

Am 15.04.2018 wird der älteste noch existierende Fußballverein Deutschlands, der B.F.C. Germania 1888 aus Tempelhof, 130 Jahre alt. Die Brüder Paul, Max, Fritz und Walter Jestram gründeten mit einigen Mitschülern vom Askanischen Gymnasium den damals ersten deutschen Fußballverein. Zu dieser Zeit war Fußball in Deutschland noch wenig verbreitet. Die ersten Fußballspiele in Berlin wurden im Winter 1881/82 durch anwesende Briten ausgetragen. Da es noch keine eigenen Sportplätze gab, nutzte der B.F.C. zunächst das Tempelhofer Feld.

Germania hatte deutlichen Einfluss auf die Gründerzeit des Fußballs:

Früher: B.F.C Germania 1888 Gründungsmannschaft ©B.F.C. Germania 1888

Beim ersten deutschen Fußballverband, dem Bund Deutscher Fußballspieler (BDF), gewann Germania 1891 die erste (inoffizielle) deutsche Meisterschaft. Auch waren die beiden Germanen-Spieler Georg Demmler und Fritz Boxhammer an der Gründung des Berliner Fußball Verbandes und des Deutschen Fußball Bundes (DFB) aktiv beteiligt. Beim ersten offiziellen Länderspiel des DFB 1908 stand mit Torwart Fritz Baumgarten ein Germania-Spieler im Tor der deutschen Auswahl.

Dieser Tag der Vereinsgründung soll gefeiert werden:

B.F.C Germania 1888 1.Herren mit Trainer Michael Juhnke ©B.F.C. Germania 1888

Anlässlich des Vereinsjubiläums wird die I. Herren Mannschaft um 14.15 Uhr gegen den SSC Südwest II, auf dem Sportplatz in der Götzstraße Fußball spielen. Erwartet werden mindestens 130 Zuschauer und Fans, der Besuch vom Berliner Fußballverband sowie zahlreiche Presse- und Medienvertreter.

Rund um das Spiel: Es gibt viele Fanartikel, Stadionsprecher und Einlaufmusik sowie Einlaufkinder, für das leibliche Wohl ist gesorgt. Harry Lehr (Medienbeauftragter)

Kontakt: B.F.C. Germania 1888 e.V., Götzstraße 34, 12099 Berlin, Infos rund um den Verein und das große Jubiläumsspiel auf https://www.facebook.com/Germania88/

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Kater Oskar vom MedienPoint

Viele interessante Veranstaltungen

Spürt Ihr es auch? Der Lenz kommt. Bei mir regen sich schon die ersten Frühlingsgefühle: Endlich wieder raus und die Natur genießen. In meinen vier Wänden, dem MedienPoint Tempelhof, ist in den nächsten Monaten auch einiges los:

Im April wird es maritim: Eine Ausstellung im Laden erinnert an den Untergang der RMS Titanic. Am 14. 04.1912 gegen 23.40 Uhr kollidierte die Titanic im Nordatlantik etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland seitlich mit einem Eisberg und sank zwei Stunden und 40 Minuten später.

Im Schaufenster weiter im April zu bestaunen eine Hommage des legendären Musicals Hair. Vor 50 Jahren, am 29.04.1968 hatte es Uraufführung.

Im Mai besuchen uns zwei ziemlich coole Typen: Ol‘ Blue Eye Frankie Sinatra und Ian Fleming. 20 Jahre ist der Tod von The Voice Sinatra nun schon her. An sein Leben –„I did it my way“-wird im Fenster erinnert. Der Geburtstag des britischen Schriftstellers, Journalisten und Geheimdienstlers Ian Fleming jährt sich zum 110. Mal. Anlass genug den Vater des einzig wahren Spions – Bond, James Bond – mit einer Ausstellung zu ehren.

Kontakt: MedienPoint Tempelhof-, Werderstr. 13, 12105 Berlin, soziales Projekt des Kulturrings in Berlin e.V., Telefon: 030/7889 3194, Öffnungszeiten: Mo bis Fr: 11-17 Uhr, mittwochs von 13.30-14.30 Uhr geschlossen! https://www.facebook.com/MedienPointTempelhof?ref=hl

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Weißgerber Lesezirkel aus Tempelhof

Heftstraße: Zeitschriften erhalten einen blauen Schutzumschlag, dieser dient zum Schutz und als Werbeträger ©Lesezirkel Weißgerber

Das Traditionsunternehmen beliefert Berlin mit Lesestoff

Die Situation kennt jeder: Man sitzt beim Arzt oder Friseur und wartet. Hat Zeit zu überbrücken, schaut sich um. Heutzutage wird dann oft das Smartphone gezückt und darauf herumgetippt – aber da gibt es noch eine andere, althergebrachte Möglichkeit: Man greift zu den ausliegenden Zeitschriften. Und diese haben in den meisten Fällen einen soliden blauen Umschlag und darauf steht „Weißgerber Lesezirkel“. Da kann man dann mit stillem Vergnügen in anspruchsvollen und auch weniger anspruchsvollen („Die lese ich nur beim Friseur!“) Magazinen blättern; ein kostenloser Service, den man gern in Anspruch nimmt.

Das Geschäftsmodell Lesezirkel ist so einfach wie smart. Der Lesezirkel vermietet Zeitschriften. An private Kunden ebenso wie an besagte Praxen, Geschäfte, Lokale, wobei der Mietpreis deutlich unter dem Kaufpreis liegt. Die jeweils neue Ausgabe wird ins Haus geliefert, das alte Heft mitgenommen und zu einem wiederum niedrigeren Preis an andere Kunden weitervermietet. So zirkulieren die Magazine bis zu vier (früher acht) Wochen lang. Berliner Marktführer in diesem Geschäft ist mit dem Weißgerber Lesezirkel ein Ur-Tempelhofer Unternehmen.

Lichtenrade. Ich sitze mit Lothar und Helga Weißgerber, den Seniorchefs des Betriebs, in ihrem gemütlichen Zuhause zusammen. Seit gut 60 Jahren ist das Paar verheiratet und die allermeiste Zeit davon ist es auch beruflich ein Team gewesen. Herr Weißgerber wirft ein paar Schlaglichter auf die Historie der Firma. 1925, in einer Zeit, als es in Berlin über 30 Lesezirkel gab, gründete sein Großvater das Unternehmen, das dann sein Vater weiterführte. Schon als Jugendlicher half Lothar Weißgerber ihm in der Firma. Zu zweit belieferten sie in den Nachkriegsjahren den Süden Berlins – mit Fahrrad und Anhänger. Diesem folgten Moped und Motorrad und in der zweiten Hälfte der 50er Jahre schließlich das erste vierrädrige Fahrzeug: ein Fiat 500; vollgepackt bis unters Dach. Sein Vater wurde krank und so rückte Lothar Weißgerber schon in jungen Jahren in die Verantwortung, verließ das Gymnasium, lernte Buchhaltung und Schreibmaschine, betrieb den Ausbau der Firma. „Das hat uns Spaß gemacht und den Kunden auch.“ In den 60er Jahren war der Teltowkanal die Grenze des Liefergebiets. Ab und zu wurde dann ein Lesezirkel aufgekauft, wenn Besitzer etwa aus Altersgründen aufhörten und so dehnte der Unternehmer, immer tatkräftig unterstützt von seiner Frau, nach und nach den Geschäftsbereich auf ganz Berlin aus.

Einblick in die Lagerhalle: Das Familienunternehmen ist seit 93 Jahren persönlicher Dienstleister für Mietzeitschriften ©Lesezirkel Weißgerber

Parallel dazu wuchs der Platzbedarf. In der Lichtenrader Steinstraße fing es an, aus Kellerräumen in der Saalower Straße zog die Firma in einen Laden in der Attilastraße, schließlich in ein Haus an der Buckower Chaussee. Seit 2012 sitzt die Firma nun in einer großen Halle in der Mohriner Allee.

Bei all den Veränderungen im Lauf der Jahrzehnte: Motor war ein Chef, dem Kunden- und Mitarbeiterfreundlichkeit immer gleichermaßen am Herzen lagen. Da wurden die Angestellten an heißen Tagen auch mal mit Eis verwöhnt, die Kunden selbst an Heiligabend noch beliefert. Lothar und Helga Weißgerber waren sich nie zu vornehm, selbst mit anzupacken – sei es im Lager oder bei der Lieferung. Vor gut zehn Jahren schließlich übergab Lothar Weißgerber die Firmenleitung an seine Tochter Ute.

Zu Besuch in einer freundlichen Firma

Mohriner Allee, Firmengebäude des Weißgerber Lesezirkels. An diesem kalten Wintervormittag sind die Fahrer schon unterwegs. Stapel von Zeitschriften lagern auf Schwerlastregalen. An der Wand hängen die alten Werbe- und Firmenschilder, künden von Tradition und dem Design vergangener Jahrzehnte. Unüberhörbar rattert die Heftstraße – das Herzstück der Firma. Hier wird aus einer druckfrischen Zeitschrift ein Lesezirkelexemplar, indem ihr der charakteristische blaue Umschlag verpasst wird. 150 000 Zeitschriften werden pro Monat ausgeliefert; 14 Fahrzeuge sind im Einsatz.

Familienfoto: Emil Weißgerber,
Gründer des Weißgerber Lesezirkel ©Repro: Karl-Heinz Kronauer

Im schicken Pausenraum erfahre ich von Inhaberin Ute Weißgerber-Knop weitere Details. Die 35 Mitarbeiter etwa, sind größtenteils schon Jahre und Jahrzehnte in der Firma, schätzen die familiäre Atmosphäre. Auch in Zeiten von Umsatzeinbußen bei vielen Medien erweist sich das Konzept Lesezirkel als krisenfest; heutzutage liegt es unter dem modischen Schlagwort „magazine sharing“ sogar wieder richtig im Trend. Man kann sowohl einzelne Zeitschriften mieten, als auch, für gewerbliche Kunden besonders interessant,

Senior-Chefs Helga und Lothar Weißgerber
mit Tochter, (4.Generation) Ute Weissgerber-Knop,
Inhaberin des Weißgerber Lesezirkel ©Lesezirkel Weißgerber

bereits fertig oder auch individuell zusammengestellte Zeitschriftenpakete, bestehend aus verschiedenen spannenden Publikationen. Lieferung und Abholung sind kostenfrei. Mit „Zeit-für-mich“- oder „Rund-um-fit-Paket“ kommen auch Zeitgeist und Lifestyle ins Haus. Und wenn man verreist, hat man die Möglichkeit die eigene Lieferung an soziale Einrichtungen zu spenden.

Stichwort Spende: Von seinem Erfolg gibt der Weißgerber Lesezirkel gern etwas ab. Die Firma unterstützt zahlreiche kulturelle und soziale Projekte und Initiativen. Jugendclub, Nachbarschaftsheim, Tierheim, die Stiftung Lesen, ein Appartementhaus für die kostenlose Unterbringung von Eltern, deren Kinder im Krankenhaus behandelt werden – sie alle profitieren von Geld- oder Sachspenden, der Verteilung von Info-Material, dem ehrenamtliches Engagement der Mitarbeiter.

Weißgerber Lesezirkel: Ein Unternehmen, auf das Tempelhof stolz sein kann. Christoph Schröder

Kontakt: WeißgerberLesezirkel, Mohriner Allee 30-34, 12347 Berlin Tel.: 030/740 748716, Info: www.weissgerberlesezirkel.de/

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Wer macht mit beim 11. Lichtenrader Kunstfenster?

Künstler für Kunstmeile entlang der Bahnhofstraße gesucht

Kreativität für den Lichtenrader Kiez: Auch in diesem Jahr vom 01. bis 29.09. wird die Bahnhofstrasse wieder zur Kunstmeile! 

Vernissage: am 01.09. um 15.30 Uhr auf dem Gelände der IKT Stadtindianer e.V. in der Mellener Straße 28, mit Kiezmusik.

Sylvia Zeeck und Horst Zeitler gehören zum Organisationsteam von Künstlern und Gewerbetreibenden aus Lichtenrade und suchen Künstlerinnen und Künstler in der Umgebung und angrenzenden Bezirken, die sich am 11. Lichtenrader Kunstfenster beteiligen. Die Schaufenster entlang der Bahnhofstraße verwandeln sich vom 01. bis 29. September wieder in eine große Galerie. Künstler zeigen ihre Werke in einem der Geschäfte, Banken oder anderen Einrichtungen in oder um die Bahnhofstraße. Die Geschäftsinhaber stellen den angemeldeten Künstlern ein Plätzchen in den Fenstern und ihren Räumen zur Verfügung. Die Besucher können bei einem Einkaufsbummel eine breite Vielfalt an Kunst und künstlerischen Stilen, angefangen von Malerei über Grafik bis Fotografie, besichtigen. Jahr für Jahr beteiligen sich mehr interessierte Aussteller und können ihre Arbeiten somit der Öffentlichkeit präsentieren. Interessierte bewerben sich schriftlich bis zum 30.04.2018. Marlies Königsberg

Kontakt: Bewerbungsbögen downloaden unter www.lichtenrader-kunstfenster.de oder persönlich bei Lederwaren Tiedtke, Bahnhofstrasse 39, 12305 Berlin abholen und dort ausgefüllt wieder abgeben oder Ansprechpartner: Horst Zeitler, per E-Mail: zeitlerkunst@online.de, Telefon: 030/7005 964, Sylvia Zeeck, Telefon: 030/3221 374

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DP-Camp in Mariendorf

Juden die nach Deutschland flohen

Vertreter der Fluchthilfeorganisation Brichah im UNRRA-Lager Berlin-Mariendorf, ca. 1946 ©Jüdisches Museum Berlin, Schenkung von Chaim Stein

Der Krieg war verloren, Deutschland lag in Schutt und Asche!

Als die Alliierten im Mai 1945 Deutschland besetzten, befanden sich im Bereich der westlichen Besatzungszonen etwa sieben bis acht Millionen sogenannte Displaced Persons (DPs). Das waren diejenigen, die infolge des Krieges aus ihrer Heimat vertrieben, verschleppt, oder geflohen waren: Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge.

Nicht dazu zählten Millionen deutscher Flüchtlinge wie beispielsweise Schlesier oder Sudetendeutsche.

Trotz erheblicher logistischer Schwierigkeiten gelang es den westlichen Alliierten über 6 Millionen DPs zu repatriieren. Etwa eine Million wurde als nicht rückschickbar angesehen. Dabei handelte es sich um Polen und Sowjetbürger, die nach der Zwangsarbeit nicht in ihr Heimatland zurückkehren wollten sowie um Osteuropäer, die freiwillig für die Deutschen gearbeitet hatten.

Eine relativ kleine Gruppe stellten die jüdischen Überlebenden dar. Völlig entkräftet hatten sie die Torturen in den Konzentrationslagern überstanden oder versteckt im Untergrund überlebt.

Nach Kriegsende waren die Überlebenden zwar befreit, allerdings ohne frei zu sein; das Lagerleben setzte sich fort. Kein geregeltes Essen, keine Kleidung, aber wiederum Bewachung.

Die deutschen Kriegsverlierer hatten meistens anständig zu essen, waren leidlich gekleidet, hatten keine Skrupel wegen des verursachten Krieges und frönten weiterhin ihrem entsetzlichen Rassismus.

Trotzdem kamen immer mehr Juden nach Deutschland, allerdings nicht, um sich hier nieder zu lassen, sondern als Teil einer großen Fluchtbewegung. Der traditionelle Antisemitismus trug Früchte und wurde noch durch die Befürchtung gesteigert, die Juden würden ihr Eigentum zurückfordern. In West- und in Osteuropa ereigneten sich zahlreiche Pogrome denen über 1000 Personen zum Opfer fielen.

Ziel war nicht Deutschland, sondern hauptsächlich die US-Zone, deren DP-Camps als Sprungbrett in eine bessere Zukunft galten.

Die Berliner Camps befanden sich in Wittenau, Schlachtensee und seit 1946 auch in Mariendorf, zwischen dem Häuserblock Eisenacher Straße, Rixdorfer Straße, Dirschelweg und Äneasstraße. In zwei Bus-Wartehäuschen in der Eisenacher Straße Ecke Rixdorfer Straße erinnern zwei identische Gedenktafeln mit Fotos an die von 1946 bis 1948 hier errichteten Lager für jüdische Displaced Persons (DPs). Auf dem Foto (oben), die Einfahrt zum UNRRA-Lager an der Eisenacher Straße und (unten) auf einem Motorrad spielende Kinder in der Äneasstraße.

Mit Beginn der sowjetischen Blockade Juni 1948 und den damit auftretenden Versorgungsproblemen beschlossen die Alliierten, die drei DP-Lager in West-Berlin aufzulösen. Über 5000 Bewohner der Camps wurden mit zurückfliegenden „Rosinenbombern“ ausgeflogen.

Nahezu 100.000 jüdische Menschen aus Ost-Europa nutzten die Berliner Lager als Transitmöglichkeit für die Reise nach West-Deutschland um von dort aus Palästina zu erreichen und den Staat Israel zu gründen. Nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten hatten die Bewohner in den Lagern unter neidvollen deutschen Blicken ein reiches kulturelles Leben mit Theater, Orchester, eigener Zeitung, Kindergarten, Sportvereinen und eigener Gerichtsbarkeit geschaffen. Erst das Ende des Unabhängigkeitskrieges 1949 und die Lockerung des amerikanischen Einwanderungsgesetzes ermöglichte den Flüchtlingen die Reise ins „gelobte Land“. Karl-Heinz Kronauer

Flucht nach Berlin“
-Jüdische Displaced Persons
1945-1948, von
Angelika Königseder,
Metropol, 25,09 €

„Als die Juden
nach Deutschland
flohen“-Ein
vergessenes Kapitel
der Nachkriegsgeschichte
von Hans-Peter-Föhrding/
Heinz Verfürth,
KiWi, 24 €

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Sportschule und 1. Judo-Welt-Museum in Mariendorf

Verleihung 10. Dan an Judoka Lothar Nest

Judoka Lothar Nest: Träger des 10. Dan ©Marlies Königsberg

Judoka Lothar Nest: Träger des 10. Dan ©Marlies Königsberg

Das tempelhofer journal besuchte 2015 Lothar Nest und berichtete in einer Titelgeschichte über ihn. Am 03. März wurde Lothar Nest die höchste Ehrung und Auszeichnung, der 10. Dan im Goshin-Jitsu, von der IFAK (Internationaler Fachverband für asiatische Kampfsportart) vom Präsidenten Siegfried Lory (10. Dan) verliehen. Außerdem besteht seine Sportschule in diesem Jahr 45 Jahre – Anlass für einen wiederholten Besuch!

Eine lebende Legende blickt stolz auf ein erfolgreiches Sportleben zurück: Der 74 jährige Lothar Nest ist seit 58 Jahren Judokämpfer und Selbstverteidigungsexperte. Seine aktive Kampfzeit endete 1987. Seit 1973 ist er Inhaber und Trainer der Sportschule mit angeschlossenem Verein SC Nest 73. Zugleich ist er Museumsführer im seit 12 Jahren bestehenden 1. Judo-Welt-Museum in Mariendorf. Hier hat er Preise und Medaillen von Olympiasiegern und Weltmeistern sowie unzählige Fotos, Zeitungsausschnitte, und viele Raritäten zusammengetragen.

Lothar Nest zählt zur Elite der Judo-und Jiu-Jitsu-Kämpfer: Er erhielt den 2. Dan 1969 in Japan, 2008, 2009, 2012 und 2018 die siebenfache Auszeichnung 9. Dan für verschiedene Disziplinen, wobei die Gürtelfarbe für den 9. und 10. Dan rot ist. Rund 150 Gäste feierten mit ihm, darunter befanden sich Welt-, Europa- und Deutsche Meister. Marlies Königsberg

Kontakt: Sportschule Lothar Nest, Alt-Mariendorf 19 -21, 12107 Berlin, Telefon: 030/7054 128, Besichtigung Judo-Museum: von Mo bis Do jeweils von 16 bis 21 Uhr geöffnet, bitte telefonisch anmelden, Eintritt ist frei, Info: www.lothar-nest.de/

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