Iris Kollecker startete beim New-York-Marathon

Eine Siegerin aus Tempelhof

Beeindruckend: Die Läufer auf der Verrazano-Bridge. © PA

Beeindruckend: Die Läufer auf der Verrazano-Bridge. © PA

Ich flog am 29. Oktober via Düsseldorf nach New York, meine Freundin Barbara begleitete mich. Meine Zimmernummer im Hotel war 1110, das ist mein Geburtstag- „ein gutes Omen“!
In einer riesigen Halle holte ich meine Unterlagen, Startnummer, T-Shirt und andere Informationen ab. Ein riesiges Getümmel war in der Halle und alle Sprachen der Welt waren zu hören. Viele Sportsachen rund ums Laufen konnte man kaufen. Die Auswahl war überwältigend. Ich konnte nicht widerstehen und kaufte mir ein Paar Laufschuhe und einen Glücksbringer, einen Teddy, dem ich den Namen „Mara-Thoni“ gab.
Am 2. November war es soweit: „Start des New-York-Marathon“. Es hieß früh aufstehen, wir wurden schon um 5 Uhr 30 abgeholt und in Richtung Staaten Island gebracht. Nachdem die Busse alle Teilnehmer zum Start gebracht hatten, wurde die Verrazano-Bridge gesperrt. Am Start angekommen wurden Mützen als Erkennungsmerkmal verteilt, die ich bis zum Ziel aufbehielt. Die Weltbesten starteten um 8 Uhr 55. Mein Start war um 10 Uhr 55, die Wartezeit war sehr zermürbend und ich war sehr aufgeregt. Endlich, die amerikanische Nationalhymne erklang und ich dachte Frank Sinatra sang nur für mich, ein paar Tränen rollten mir über die Wangen. Nachdem Startschuss rannte ich los, natürlich viel zu schnell. Es war ein großartiges, himmlisches Gefühl. Auf dem Scheitelpunkt der Brücke konnte ich die Skyline von New York sehen. Der Lauf wird in Meilen gemessen, eine Meile entspricht etwa 1,6 km. Getränke, Tee und Wasser gab es an den Verpflegungsständen. Die Zuschauer am Rand boten Kaugummis, Bananen, Energieriegel oder Flaschen mit Wasser an. Sie jubelten und riefen „Good Job“ oder „ You get it“.

Schnappschuß: Iris Kollecker mit Freundin Barbara bei Kilometer 21. © Iris Kollecker

Schnappschuß: Iris Kollecker mit Freundin Barbara bei Kilometer 21. © Iris Kollecker

Der Marathon verläuft über fünf Brücken durchs gesamte New York. Das Ziel befindet sich im Central Park. Es ist einer der schwersten Läufe, durch das eintönige Auf und Ab werden selten Rekordzeiten vermeldet. Dagegen ist unser Berlin-Marathon, den ich 1998 gelaufen bin, ein Genuss!
Meiner Freundin Barbara begegnete ich erst nach 21 Kilometern, leider hatten wir uns zuvor verpasst. Ein Foto zur Erinnerung, keine Zeit verlieren und weiter ging es. Um ehrlich zu sein, war ich an dieser Stelle schon total kaputt. Der ewige Wind von vorne, die Kälte und die gerade Straße, immer in eine Richtung. Die Bands mit ihrer „irren Musik“ konnten meinen Tiefpunkt auch nicht weg kriegen. Mein innerer Schweinehund nahm Überhand, ich konnte kaum noch laufen, aber dann sah ich Barbara mit ihrem prachtvollen amerikanischen „Uncel Sam“ Hut, alle jubelten und klatschten am Straßenrand. Beinahe dachte ich, man jubelt ihr mehr zu. Zu meiner Aufmunterung lief sie ein Stück mit und feuerte mich an.
Endlich war der Einlauf in den Central Park zu sehen. Ein Schild tauchte auf, Kilometer 40. Erst dachte ich, ich hätte es geschafft, doch es fehlten noch 2.195 Meter. Nachdem ich das große Banner mit den Worten „ZIEL“. „Yes, I did it“ sah, war ich glücklich, dass ich angekommen bin! Es war unbeschreiblich schön die Medaille um den Hals zu bekommen und die vielen Gratulationen zu erhalten: „So sehen Sieger aus!“
Schade, Barbara war nicht zu sehen, der Zieleinlauf durfte nicht betreten werden. Wir trafen uns erst im Hotel wieder. Nach einem herrlichen heißen Bad, ging es in den nächsten Pub, mit meiner Medaille um den Hals, zu sehen für alle. Wir feierten die ganze Nacht, tranken Bier in Mengen. Ich war „King Of The Night“. Jetzt ist der Marathon seit über acht Wochen vorbei. Alle Geschichten sind erzählt, aber ich denke noch gerne daran zurück. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich meinen inneren Schweinehund überwunden und es geschafft habe. Manchmal muss ich mich kneifen und meine Medaille streicheln, um zu wissen, dass es wahr ist!

Dieser Beitrag wurde unter Kiez 4 abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.