Tempelhof lebt!

Vom Metzplatz bis zum Alboinplatz

Auf Entdeckungstour in der

Lebendige und lebenswerte Tempelhofer Straßen sollen das Thema dieser Rubrik sein. Sogleich stellt sich die Frage: Was macht eine Straße denn lebendig? Die Menschen und ihre Aktivitäten lautet die nächstliegende Antwort; als da wären Handel, Gewerbe und Dienstleistungen. Aber auch öffentliche Einrichtungen und städtische Infrastruktur spielen eine Rolle. Nicht zuletzt kann auch die verkehrsgünstige Lage einer Straße herausgehobene Bedeutung verleihen.

Die Kaiserin-Augusta-Straße erstreckt sich im Herzen des Ortsteils Tempelhof über gut einen Kilometer Länge in Ost-West-Richtung und quert dabei die beiden Durchgangsstraßen Tempelhofer Damm und Manteuffelstraße. Am westlichen Ende liegt der Alboinplatz, der bereits zum Ortsteil Schöneberg gehört; das andere Ende bildet der dem Namen nach kaum bekannte Metzplatz, an dem sich der Eingang zum weitläufigen Gelände des Wenckebach-Krankenhauses befindet.
Wer aber war eigentlich Kaiserin Augusta, nach der die Straße schon seit Ende des 19. Jahrhunderts benannt ist?

Namensgeberin: Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, 1811 – 1890.©Archiv ja

Als Prinzessin von Sachsen-Weimar wurde sie 1811 geboren und heiratete 1829 den Prinzen von Preußen, den späteren Kaiser Wilhelm I. So war sie zunächst Königin von Preußen und mit der Reichsgründung 1871 deutsche Kaiserin. Modernen und liberalen Ideen zugewandt, verabscheute sie die Bismarcksche Machtpolitik, die keinem Krieg aus dem Weg ging. Auch karitativ war sie tätig; auf ihre Initiative gingen mehrere Krankenhausgründungen zurück. Eine Vielzahl von Straßen, Bauwerken und Institutionen sind nach ihr benannt. Sie starb 1890, ihre letzte Ruhestätte ist das Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg.

Machen wir einmal einen Spaziergang durch die Straße und schauen uns die einzelnen Geschäfte näher an. Kommt man vom Wenckebach-Krankenhaus her, stößt man zunächst auf den Handwerksbetrieb von Gerhard Peters. Er ist Experte für Markisen und Jalousien. Nebenan fällt einem das große Ladengeschäft der Firma Jensch auf. Jegliche Metallbauarbeiten rund um Türen, Tore, Zäune, Balkone gehören zum Geschäftsfeld der Bauschlosserei ebenso wie Schließanlagen, Sicherungstechnik und Einbruchsschutz. Und auch wer einen Schlüssel braucht ist hier richtig. Bemerkenswert und selten: Der Familienbetrieb wird bereits in der vierten Generation geführt und ist seit den Anfängen um 1920 in der Kaiserin-Augusta-Straße ansässig.

Imposant: Das Kaufhaus Karstadt an der Ecke Tempelhofer Damm/Kaiserin-Augusta-Straße.©Karl-Heinz Kronauer

Ein paar Schritte weiter finden sich der „Haartempel“ und „Siegert. Der Friseur“: Irgendwie tröstlich, dass Friseurgeschäfte nicht aussterben, sondern sich sogar zu vermehren scheinen. Tja, die Haare schneiden lassen kann man sich noch nicht im Internet …

Gegenüber liegt Heinrichs Fahrradladen: Hier gibt es Ersatzteile, Zubehör, Reparaturen und auch wer sich zur neuen Saison ein neues Rad gönnen will, ist hier richtig. Ein paar Schritte weiter belebt das Kaufhaus Karstadt die Kreuzung und man ist froh, dass es so aussieht, als würde es x-te Sanierung des Konzerns überleben.

Im lange leer stehenden Eckgeschäft gegenüber ist seit einiger Zeit der Friseur „Kopfsache“ zu finden. Daneben bietet das Sanitätshaus Morschek Reha-, Medizin- und Orthopädietechnik. Wieder ein Haus weiter lockt mit dem „Pausini“ eines der wenigen trendig-gemütlichen Cafés in Tempelhof, das auch in Szenebezirken wie Prenzl- oder Kreuzberg bestehen könnte. Essen und Getränke schmecken vorzüglich; sowohl draußen als auch drinnen sitzt man sehr angenehm. Ebenfalls metropolentauglich ist der Weltmusikladen Rahmani, der „Instrumente aus aller Welt“ bietet. Auf der anderen Seite befindet sich die Richter Immo-Trade GmbH, ein fairer Immobilienmakler, der sich auf Tempelhof-Immobilien spezialisiert hat.

Einen weiten Weg zurückgelegt haben die Damen vom Thairestaurant Tonsai einige Hausnummern danach, die leckere Thaiküche zum kleinen Preis servieren. Das Blumenthal-Eck wiederum gibt es schon über 100 Jahre: Eine authentische Berliner Eckkneipe mit moderaten Preisen fürs Bier, das man auch im Außenbereich genießen kann.

Idylle: Die Kaiserin-Augusta-Straße mit dem Askanischen Gymnasium.©Karl-Heinz Kronauer

Hier auf dem Abschnitt zwischen Tempelhofer Damm und Manteuffelstraße strahlen die Altbauten mit ihren Vorgärten bürgerliche Gediegenheit aus. Auch das altehrwürdige Askanische Gymnasium trägt zu diesem Eindruck bei. Rein optisch hat der Bau etwas von einer Burg- oder Klosteranlage. 800 Schüler lernen dort. Direkt gegenüber dem Eingang kann man sich hypnotisieren lassen. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Oder sollen es doch lieber schöne Fingernägel sein? Dazu verhelfen „Tensi Nails“ und „Nail Shop“. Fürs Wohlergehen kann man auch im evangelischen Gemeindehaus mit seinen zahlreichen Angeboten etwas finden. Überquert man die Manteuffelstraße, ändert sich die Bebauung. Hier prägen die Genossenschaftsbauten das Straßenbild. Tempo 30 zähmt hier wie in der gesamten Straße den rollenden Verkehr so halbwegs. Eine Kaiser`s-Filiale ist noch zu entdecken, das Restaurant Konoba BG bietet Spezialitäten der kroatischen Küche und den Schlusspunkt setzt schließlich am Alboinplatz die alteingesessene Gaststätte „Blanke Helle“, benannt nach dem gleichnamigen Gewässer ein paar Schritte weiter.

Fazit: Es lohnt sich, die Kaiserin-Augusta-Straße einmal entlang zu schlendern und von einem ihrer vielfältigen Angebote Gebrauch zu machen! Christoph Schröder

Dieser Beitrag wurde unter Kiez 3 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.