Das Einkaufsverhalten überdenken – unterstützen können alle

Composite image of fair trade graphic

©Fotolia/Montage TJ

„Fairtrade-Town Tempelhof-Schöneberg“ bald erreicht

Fairer Handel – Was ist das? Wer ist das? Wo ist das?
In Deutschland wandern jedes Jahr fast 20 Millionen Tonnen Le- bensmittel in den Müll. Die „Geiz ist geil“-Mentalität sorgt mancher- orts dafür, dass Arbeitskräfte, Kinder und andere hier wie dort ausge- beutet werden, nur um ein Schnäppchen zu machen. Wie kommt es, dass ein Hähnchen 2,99 Euro kostet oder ein Liter Milch billiger sein kann als ein Liter Mineralwasser?
Sehr problematisch sind die Exportsubventionen unseres Landes und der EU, die den Bauern und Lebensmittelherstellern in ärmeren Ländern mit Dumpingpreisen fatale Konkurrenz machen.

Weshalb Fairtrade? Hier einige Zahlen und Informationen zum Thema:

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Von Lakritz-Gummibärchen über Pistazieneis bis hin zum handgenähten Fußball – das Sortiment fair gehandelter Produkte wird immer breiter. Insgesamt 827 Millionen Euro gaben die Verbraucher 2014 für Waren mit dem Fairtrade-Siegel aus. Das ist mit einem Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr der stärkste Anstieg seit Einführung des von der Organisation Transfair entwickelten Siegels vor 23 Jahren. Die Motivlage der Verbraucher ist durchaus vielfältig und durchlässig. Die einen begreifen Fairtrade als Chance – für mehr Qualität, pestizidfreien Anbau, die Mindestpreisgarantie für Kleinbauern, den Verzicht auf Kinderarbeit, die Verkürzung der Lieferkette zwischen Hersteller und Abnehmer. Deshalb haben sie die Chance als ernst zu nehmende Alternative gegenüber herkömmlichen Produkten, selbst wenn sie ein wenig teurer ausfallen.

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Die Grafiken stammen aus einem Vortrag von Volkmar Lübke, TriNet, TransFair e. V. vom Februar 2015

„Deutschland ist derzeit der dynamischste Fairtrade-Markt welt- weit“, sagte Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath. Bundesweit gibt es derzeit 42 000 Geschäfte mit Fairtrade-Produkten, darunter auch große Discounter. Zudem schenken 20 000 gastronomische Einrichtungen fair gehandelten Kaffee aus. Die Menge der mit dieser Kennzeichnung verkauften Produkte ist mittlerweile beachtlich: 2014 wurden 13.000 Tonnen fairen Kaffees abgesetzt, das ist ein Plus von 18 Prozent. Die Verbraucher kauften zudem 51.000 Tonnen zertifizierter Bananen und damit 62 Prozent mehr als noch 2013. Bei Kakao gab es mit 7.600 Tonnen sogar eine Versechsfachung des Absatzes. Dank der wachsenden Umsätze konnte Transfair Prämien von 12,3 Millionen Euro an die Produzentenorganisationen beispielsweise in Ostafrika auszahlen, 30 Prozent mehr als 2013. Die Produzenten können eigenständig entscheiden, welche Projekte sie damit umsetzen.

Trotz der steigenden Umsatzzahlen wenden die Deutschen im inter- nationalen Vergleich bisher nur wenig Geld für fair gehandelte Produkte auf. Die jährliche Pro-Kopf-Ausgabe liegt lediglich bei zehn Euro. Die Verbraucher in Großbritannien und der Schweiz geben den Angaben zufolge drei- bis viermal so viel für Fairtrade-Waren aus. Für fair gehandelte Rosen ist Deutschland dagegen bereits der größ- te Markt weltweit: Mit 336 Millionen Stielen beträgt der Marktanteil schon 25 Prozent. Transfair will noch in diesem Jahr die Palette der fair gehandelten Blumen um Geranien und Weihnachtssterne erweitern.

Vielleicht kann Fairtrade die weltweiten Fluchtursachen bekämpfen? Die Weichen stellen für eine multikulturell zusammenwachsende Gesellschaft? Aus dem Produzentenleben anderer Länder berichten für einen fairen Umgang untereinander?
Tempelhof-Schöneberg bemüht sich seit März 2015 Fairtrade Town zu werden und wird dieses Ziel wahrscheinlich im ersten Halbjahr 2016 erreicht haben. Damit würde bereits ein Viertel der Berliner Bezirke die Hürde zur Fairtrade Town übersprungen haben. Weitere Bezirke stehen in den Startlöchern.
Wie sieht es in Tempelhof aus? Manche der Geschäfte und Gaststätten, Kantinen und Restaurants, der Schulen, der Glaubensgemeinschaften, der Ämter und Vereine können sich vorstellen, die Idee des „fairen Handels“ aufzugreifen und auszubauen
Claudia Scholz (von Family & Friends e. V, i. A. der AG Bahnhofstraße e. V.) und Doris Deom (BUND) werben extensiv für den fairen Handel und wollen Tempelhof-Schöneberg in den nächsten Monaten zu einer funktionierenden „Fairtrade Town“ machen.

Doris Deom vom BUND versucht Gastronomiebetriebe, Einzelhändler und Einrichtungen zu überzeugen Fairtrade-Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen ©Thomas Moser

Doris Deom vom BUND versucht Gastronomiebetriebe, Einzelhändler und Einrichtungen zu überzeugen Fairtrade-Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen ©Thomas Moser

tempelhofer journal: Frau Scholz und Frau Deom, wo liegen die größten Probleme Tempelhof-Schönebergs auf dem Weg zur Fairtrade Town?
Claudia Scholz: Ach, wissen Sie, so richtige Probleme haben wir eigentlich gar nicht. Viele unserer Ansprechpartner haben bereits geschäftliche Beziehungen zu Fairtrade-Lieferanten. Sie hängen es bloß nicht an die große Glocke.
Doris Deom: Was wir durchaus als Problem begreifen könnten, ist der Umstand, dass viele unserer Läden, Gaststätten oder Verkaufsstellen ohne viel Aufhebens längst fair gehandelte Produkte anbieten und verkaufen, wir sie aber nicht gelistet haben!

Gibt es eine Liste der Einrichtungen, die faire Produkte anbieten?
DD: Ja, so eine Liste existiert. Wir geben bewährte Fairtrade-Partner und solche, die wir frisch geworben haben an den Bezirk weiter und tragen sie bei „Faires Netzwerk Berlin“ für den „Fairen Einkaufsführer Berlin“ ein: http://www.faires-berlin.de/.
CS: Sie ist noch recht unvollständig. Wir wissen nicht, wie viele Unternehmen sich der Fairtrade-Idee verschrieben haben. Hier gilt es nachzufassen, damit alle im Fairen Einkaufsführer Berlin stehen und die Vorteile davon genießen können.
DD: Unsere Frage: Handeln Sie mit Waren aus dem Fairtrade-Bereich? Dann lassen Sie uns das wissen. Melden Sie sich bei uns, damit wir Sie und Ihr Fairtrade-Sortiment registrieren können. Nichts ist so wichtig wie genannt zu werden. Verbraucher sollten wissen, welches Fairtrade-Sortiment Sie an Bord haben. Und mit dem Fairtrade-Gedanken im Herzen und auf der Zunge lässt sich gut Werbung machen!

Was muss ich tun, wenn ich Partner des fairen Handels werden will?
CS: Unter der Internet-Adresse: http://www.ag-bahnhofstrasse.de/ft/ fairtrade.html haben wir jeweils einen Link zum Formular für den Fairtrade-Händler und einen für den Fairtrade-Gastronomen hinterlegt. Damit melden Sie sich gleichzeitig für den Fairen Einkaufsführer Berlin an. Mindestens 2 Fairtrade-Produkte müssen dauerhaft im Sortiment vorhanden sein oder in die Palette aufgenommen werden.
DD: Eine umfangreiche Datenbank mit Produkten aus dem Fairtrade-Programm ist erhältlich unter: https://www.fairtrade-deutschland. de/produkte/. Auch in Berlin gibt es diverse Bezugsadressen.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch. Wir werden die Kampagne in Tempelhof-Schöneberg weiterhin aufmerksam verfolgen und hoffen, dass es dem Bezirk gelingt Fairtrade Town zu werden und es Berlin als Ganzes schafft, als erste deutsche Metropole den zukunfts- und prestigeträchtigen Titel „Fairtrade Town“ zu erringen. Karl-Heinz Kronauer

Kontakt: Doris Deom, BUND Bezirksgruppe Tempelhof-Schöneberg für Fairtrade, Telefon: 0163 / 882 49 05 (ab 14 Uhr) Email: doris.deom@gmail.com
Claudia Scholz, i. A. der AG Bahnhofstraße e. V., zwischen 9 und 13 Uhr zu erreichen unter 030/305 55 21, mobil 0178/2385521,
Email: fairtrade@ag-bahnhofstrasse.de,
Info: www.faires-berlin.de/netzwerk-berlin-news/fairtrade-town-berlin

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