Kolumnen

Marke_StutzkyGeboren in Tempelhof!

Nirgendwo in Deutschland kommen so viele Kinder zur Welt wie im Sankt Joseph Krankenhaus Tempelhof, knapp 4.000 Geburten allein in 2015!“
Als ich vor einigen Wochen diese Meldung las, kam mal wieder dieser Zustand aus allgemeiner Verzückung und heimlichen Stolz in mir hoch, zu der wohl doch nicht so seltenen Spezies der „original-eingeborenen Tempelhofer Pflanze“ gehören zu dürfen. Nicht nur, dass ich seit zwei Jahrzehnten hier lebe, auch ich erblickte im Josephskrankenhaus das Licht der Welt – in Deutschlands geburtenstärkster Klinik. Auch das „tempelhofer journal“ widmete diesem Rekord vor einem halben Jahr eine Titelgeschichte: Babys über Babys.
Als Tempelhofer Pflanze geht mir solch ein Superlativ natürlich runter wie Öl – Tempelhof ist mal wieder ganz besonders, einmalig, unvergleichlich. Ganz berlintypisch rufe ich deshalb mit viel Lokalpatriotismus aus: “Protz, prahl – ich komm’ aus Tempelhof. Wir sind zwar arm, aber auch nicht unbedingt sexy …“
Irgendwann einmal werden Tausende Leute, wenn sie denn dann des Sprechens mächtig sind, von sich behaupten können, sie sind 2015 in Tempelhof geboren worden. Ob sich darunter Prominenz befinden wird, ist dabei gar nicht mal so wichtig, bisher kann sich der Bezirk auch nur mit Mario Barth und Bushido schmücken. Na und? Die Menge macht’s. Wir hier in Tempelhof sind halt nicht gerade schickimicki, Glamour ist nicht unser Ding, aber wir sind wichtig!
Wir haben schon immer ganz Wichtiges vorzuweisen gehabt: zwei Regierende und natürlich den Flughafen. Okay, der Flughafen heißt jetzt Feld, damit vermeiden wir auch das böse Wort mit ‚F‘ – das ist schließlich in ganz Berlin mittlerweile das inoffizielle Unwort.
Tempelhof war einmal die Drehscheibe im nationalen Flugverkehr, dann kam die Blockade, schließlich die Promis auf dem Flugfeld, winkend von der Gangway in die Kameras … lang ist es her! Aber mittlerweile ist der Flughafen –  Entschuldigung, schon wieder das böse Wort mit ‚F‘– einer der außergewöhnlichsten Erholungsparks der Republik auf der größten innerstädtischen Freifläche der Welt. Damit haben wir noch einen weiteren Superlativ, auf den wir stolz sein können. Und das sind wir auch. Schließlich sind wir Tempelhofer auch ganz normale Berliner und die sind stolz auf so ziemlich alles, was zu ihrer Stadt gehört – solange es nicht aus Schwaben kommt.
Dass wir Tempelhofer auch in Zukunft die Welt mit viel Wichtigem beglücken werden, steht selbstredend außer Frage – bei der Menge an Neugeburten hier.

Borchardt_MarkeDer Mai ist gekommen, die Haare fallen aus …

Pünktlich zum Frühjahrsbeginn (und sonderbarerweise auch im Herbst) geht der Umsatz an Haarwuchsmitteln in die Höhe. Warum ist das so?

Manche Herren der Schöpfung werden zum Nachdenken angeregt, wenn die Wollmützen wieder im Schrank eingemottet werden und die Frühjahrssonne sich in der Platte spiegelt. Wenn dann noch heimlich Frühlingsgefühle dazu kommen, ist die Eitelkeit geknickt wie Petersilie im Aprilhagel und Mann sinnt auf Abhilfe. Aber auch weibliche Geschöpfe können verzweifeln – manche hat einfach zuviele Haare in der Bürste oder im Abflußsieb, bei anderen geht der Haaransatz zurück oder der Scheitel wird breiter. Kann man ernstere Ursachen ausschließen, liegt´s oft an der Hormonproduktion: je mehr Hormone die weiblichen Merkmale zum Blühen bringen (z.B. in der Schwangerschaft), umso beeindruckender die Haarpracht.- Doch auch junge Menschen klagen unter Haarausfall, und das liegt oft tatsächlich an der Jahreszeit. Wir haben noch immer ein der Mauser ähnliches genetisches Programm, das uns unser „Winterfell“ verlieren lässt.

Der Lebenslauf eines Haares verläuft ähnlich der einer Frühjahrshyazinthe nach einem festgelegten Programm: Aus einer Zwiebel geboren, schiebt sich zunächst ein dünner Stengel vor; weiteres Material, in der Zwiebel produziert, wird nachgeschoben, und so wächst das Haar, zwei bis sechs Jahre lang in seiner Pracht, bis die Zwiebel verkümmert, abstirbt und das Haar ausfällt. Dieser Zyklus verläuft in jeder Zwiebel zeitlich versetzt, so dass wir immer eine relativ übersichtliche Zahl an Haaren verlieren. Fängt nun die Frühjahrssonne an zu scheinen oder werden die Tage im Herbst kürzer, kann sich die Taktzahl der Zyklen leicht verändern – urplötzlich haben mehrere Haare gleichzeitig die Ausfallzeit erreicht und verabschieden sich. Kein Grund zur Sorge – neue werden nachwachsen! Viel frisches Frühlingsgemüse essen hilft – und der Spargel wächst ja auch jetzt …

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