Kolumne

Neue Mitte Tempelhof – was wird daraus?

Die Sehnsucht unter den Tempelhofern ist groß nach einem Zentrum des Bezirks, einem Ort, an dem man sich trifft, begegnet, an dem kulturelle Institutionen angesiedelt sind; einem öffentlichen Platz, der nicht für parkende oder fahrende Kraftfahrzeuge da ist und auch nicht für den Kommerz.

Die Gemengelage um die geplante „Neue Mitte Tempelhof“ ist nicht einfach. Es gibt eine Vielzahl an Akteuren, Interessen, Beteiligten, Betroffenen. Die Kleingärtner werden sich gegen den Verlust ihrer Grundstücke zur Wehr setzen. Die Situation am so stark verkehrsbelasteten Tempelhofer Damm zu verbessern, ist schwierig, weil er eine Bundesstraße ist. Neue Gebäude müssen einer Vielzahl von funktionellen Ansprüchen genügen.

Was Bezirk und Senat zuallererst antreibt – dies der Eindruck der Infoveranstaltung – ist jedoch der Wohnungsneubau. 10 bis 15 Jahre soll es dauern, bis 400 bis 500 Wohneinheiten fertig sind. 2032 also plus X, denn wenn Sozialdemokraten bauen oder bauen lassen, dann dauert es erfahrungsgemäß ein paar Jährchen länger. Erzähl das mal jemandem, der heute eine Wohnung sucht: Du, in 15 Jahren oder noch ein bisschen länger ist da in Tempelhof vielleicht was frei …

Vor zehn, zwölf Jahren wäre der Zeitpunkt gewesen in Wohnungsbau zu investieren. Damals war der Markt noch relativ entspannt, aber schon abzusehen, dass er das nicht bleiben würde. Darauf hätte man reagieren müssen. Aber das ist wohl zuviel verlangt von Berufspolitikern, deren Denken nicht weiter als bis zum nächsten Wahltermin reicht.

Skepsis ist angebracht, was die Bürgerbeteiligung angeht. Am Ende des Tages pfeifen die Rotrotgrünen drauf. Der Park an der Leonorenstraße in Lankwitz ist ein warnendes Beispiel. Rücksichtslos, im Stil eines diktatorischen Regimes, wurde ein Teil eines historischen Parks mit hundert Jahre alten Bäumen plattgemacht. Anwohner und Betroffene wurden regelrecht überrumpelt. Umwelt, Natur? Ist den Grünen doch egal, wenn sie in der Regierung sitzen. Die Interessen der Anwohner und Senioren im anliegenden Wohnheim? Sind den Sozialdemokraten, die jederzeit den Anwalt der „kleinen Leute“ spielen, doch egal, wenn sie bauen wollen. Bei den braven Lankwitzern trafen sie auf wenig Gegenwehr; in Charlottenburg oder Kreuzberg wären sie nicht so leicht durchgekommen.

Tempelhofs Mitte ist ein waches, engagiertes Bürgertum zu wünschen.

Zum Kommentar von Christoph Schröder im Tempelhofer Journal zur Neuen Mitte Tempelhof:
Natürlich kann man in einem Kommentar alles Mögliche schreiben. Ein Kommentator hat aber eine Verantwortung, schließlich agiert er in die Öffentlichkeit hinein und nicht in die Stammtischrunde. Da ist es sicher nicht zu viel verlangt, dass der Kommentator zumindest das Nötigste recherchiert und nicht ausschließlich Falschinformationen und Vorurteile verbreitet sowie wohlfeile Stimmungsmache bedient. 
 
Im Einzelnen:
 
– „10 bis 15 Jahre soll es dauern, bis 400 bis 500 Wohneinheiten fertig sind. 2032 also plus X. Erzähl das mal jemandem, der heute eine Wohnung sucht…“
 
Natürlich dauert so ein Planungsprozess, insbesondere wenn viele verschiedene Interessen zu berücksichtigen sind und die Öffentlichkeit umfassend beteiligt wird. In Teilflächen, die bereits erschlossen sind und bei denen vielleicht schon früh Planungssicherheit besteht, kann es vielleicht schneller gehen. Der politische Wille ist da und der Bedarf ist dringend. Irgendwann muss man nun mal anfangen. Was soll da die Häme?
 
– „Vor 10, 12 Jahren wäre der Zeitpunkt gewesen in Wohnungsbau zu investieren“:
 
Vor 10 bis 15 Jahren wurde mir auf Bürgerversammlungen zu Neubauvorhaben vorgehalten, wir hätten absurde und größenwahnsinnige Vorstellungen von der Entwicklung der Stadt, niemals würde eine solche Nachfrage entstehen und man möge doch die Anwohner vor  Ungemach verschonen. Ich vermute kaum, dass der heute so kluge Kommentator uns damals unterstützt hätte. Manche Vorhaben konnten mit viel Engagement trotzdem realisiert werden und sind bzw. gehen nun in die Vermietung.
 
– „…das ist wohl zu viel verlangt von Berufspolitikern, deren Denken nicht weiter als bis zum nächsten Wahltermin reicht“:
 
Verantwortlich für die Bauleitplanung sind die Bezirke. In seinem Handeln angeregt und kontrolliert wird das Bezirksamt von der Bezirksverordnetenversammlung, die ehrenamtlich besetzt ist. Hier sitzen also keine Berufspolitiker in dicken Sesseln sondern ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger als Vertreter der demokratisch gewählten Parteien, die sich in ihrer Freizeit für das Wohl des Bezirks einsetzen. Ich denke, dass den Verordneten dafür zunächst einmal Anerkennung zu zollen wäre statt Beschimpfungen. Mit welchem Zeithorizont die Bezirksverordneten ihr Amt jeweils ausüben, mag unterschiedlich sein. Für mich kann ich sagen, dass mein Thema der Stadtentwicklung naturgemäß nicht in einer Wahlperiode abgehandelt wird und der Horizont meines Handelns über den nächsten Wahltermin hinaus reicht – seit vielen Jahren und auch auf die Möglichkeit hin, dass später andere anders entscheiden.
 
– „Skepsis ist angebracht, was die Bürgerbeteiligung angeht. Am Ende des Tags pfeifen die Rotrotgrünen drauf“.
 
Es folgt ein vermeintlich negatives Projekt aus dem schwarz-grün regierten Bezirk Steglitz-Zehlendorf, das schon deshalb als Beleg für die These nicht taugt. Ansonsten lässt der Verfasser offen, woher er die Überzeugung nimmt, dass „rotrotgrün“ seine guten Absichten im Hinblick auf Beteiligung nicht erfüllen werde.
 
– Und nochmal unter Bezug auf das Projekt in Lankwitz: „Die Interessen der Anwohner und Senioren im angrenzenden Wohnheim: Sind den Sozialdemokraten, die jederzeit den Anwalt der „kleinen Leute“ spielen, doch egal, wenn sie bauen wollen“:
 
Die Verantwortlichen für die städtebaulichen Fragen in Steglitz-Zehlendorf sind Stadträtin Frau Richter-Kotowski von der CDU und im Land Stadtentwicklungssenatorin Frau Lompscher von den Linken.
Würden die Verordneten in der BVV ihr Amt so oberflächlich ausüben, wie der Kommentator seine journalistische Arbeit, wäre es tatsächlich schlecht bestellt um unseren Bezirk. Das ist aber – zum Glück – nicht der Fall!
 
Herzliche Grüße
 
Christoph Götz
Stadtentwicklungspolitischer Sprecher
der SPD-Fraktion Tempelhof-Schöneberg
Dieser Beitrag wurde unter Kolummen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Kolumne

  1. Gerd Hempel-Spangehl sagt:

    endlich jemand, der das kind beim namen nennt: rrg gleich rücksichtslos, diktatorisch, so gar nicht umweltbewusst. tempelhof macht da hoffentlich nicht mit.

  2. Manfred Schmidt sagt:

    Vor vielen Jahren haben sich „die Grünen“ noch an Bäume gekettet um Baumaßnahmen zu verhindern. ( Z.B. der Weiterbau der Stadtautobahn am Sachsendamm). Heute sitzen sie an den Schaltstellen der Macht und üben den Tunnelblick. Wohnungen bauen ja, aber intelligente Lösungen sind gefragt. Zur Neue Mitte Tempelhof habe ich folgenden Vorschlag.
    Berlin war schon immer irgendwie anders. Das ist auch heute noch so. Laubenpieper gärtnern mitten in der Stadt. In keiner vergleichbaren Stadt gibt es diese Mischung aus Weltstadt und Provinz. Warum machen wir diesen Zustand einer optimalen Symbiose von ‚Urban Gardening‘ und Stadtleben nicht zu einem besonderen Highlight.
    Bauen unter dem großen Parkplatz neben dem Rathaus eine Tiefgarage, bauen ein ‚Ensemble im Friedensreich Hundertwasser Stil‘ darauf. Hier ziehen die neue Stadtbibliothek, ein Café und die Polizeidienststelle ein. Es gibt dort auch Räume für kulturelle Begegnungen. Auf dem ehemaligen Gelände der Stadtbücherei und Polizeidienststelle entstehen Wohneinheiten. Bauen und Wohnen in Harmonie mit der Natur.
    Das gesamte Umfeld, Kleingartengelände und Park, wird im typischen Hundertwasser- Stil verbunden. In einem Begleittext zu einer Hundertwasser Ausstellung in Wedel heißt es: Seine künstlerische Intension bestand darin, eine Welt zu ersinnen. In der nach 250 Jahren Industriegeschichte das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur wieder hergestellt ist. Eine Tempelhofer Mitte, mit einem ‚Ensemble im Hundertwasser-Stil, im absoluten Einklang mit der Natur und ‚Urban Gardening‘ und den Kleingärten welche Stadt kann diese Attraktionen bieten?

  3. Zitat daraus: „Skepsis ist angebracht, was die Bürgerbeteiligung angeht. Am Ende des Tages pfeifen die Rotrotgrünen drauf. Der Park an der Leonorenstraße in Lankwitz ist ein warnendes Beispiel. Rücksichtslos, im Stil eines diktatorischen Regimes, wurde ein Teil eines historischen Parks mit hundert Jahre alten Bäumen plattgemacht. Anwohner und Betroffene wurden regelrecht überrumpelt. Umwelt, Natur? Ist den Grünen doch egal, wenn sie in der Regierung sitzen. Die Interessen der Anwohner und Senioren im anliegenden Wohnheim? Sind den Sozialdemokraten, die jederzeit den Anwalt der „kleinen Leute“ spielen, doch egal, wenn sie bauen wollen. Bei den braven Lankwitzern trafen sie auf wenig Gegenwehr; in Charlottenburg oder Kreuzberg wären sie nicht so leicht durchgekommen.“
    Recht hat er! Vollkommen recht!
    Die Politiker planen mal wieder ein weltfremdes Großbauprojekt a’la BER und wir Bürger müssen es ausbaden.
    ICH BIN GEGEN DIESE WELTFREMDEN BAUPROJEKTE!
    Denn die Politiker des Bezirkes planen ein wahnwitziges Bauvorhaben, dass die schöne Gegend von Alt-Tempelhof über Jahre (wenn nicht gar Jahrzehnte) in eine Baustelle verwandeln und etlichen Menschen ihre schönen Kleingärten rauben wird!
    Fakt ist: Hunderte Kleingärtner sollen vertrieben werden, nur weil die Politiker sich mit einem Bauprojekt profilieren wollen, dass völlig sinnlos und überflüssig ist!
    Wir haben in der Gegend um Alt-Tempelhof ein Polizeirevier und eine Bibliothek, aber das ist den feinen Herren offenbar nicht gut genug! Nein, sie wollen eine neue Bibliothek und ein neues Revier ganz in der Nähe bauen; für zig Millionen Euro Steuergelder! Und das, obwohl mit dem alten Revier und der alten Bibliothek alles in Ordnung ist!
    Und sie haben keine Ahnung, woher das Geld kommen soll; Zitat: „Auf die Frage, woher das Geld für den geplanten Um- und Neubau kommen soll, musste Joachim Sichter, Referatsleiter in der Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen, weitgehend passen.“ (Quelle: http://tempelhoferjournal.de/2017/03/16/senat-und-bezirk-planen-das-goetzstrassenquartier/)
    ICH kann mir schon denken, woher das Geld kommen soll; letzten Endes aus der Tasche des Steuerzahlers, also meiner und Ihrer Tasche!
    Das Projekt ist sinnlos, weltfremd und zeugt vom Sadismus der Politiker, die ihre Bürger offenbar so sehr hassen, dass sie ihnen ihre Kleingartenkolonien wegnehmen wollen! Ich selbst bin zwar nicht Besitzer einer solchen, aber ich finde die Gegend schön so wie sie ist. Und jetzt sollen die schönen Kleingärten, die den Menschen ein Stück Natur und Ländlichkeit in der Großstatd geben, verschwinden, nur damit dort potthässliche Betonklötze hingestellt werden, deren Bauzeit zehn bis fünfzehn Jahre dauert und deren Mieten alles andere als erschwinglich sein werden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.