Baustadtrat für Abbau des Sanierungsstaus

Bezahlbare Wohnungen für Tempelhof

Interview mit dem Stadtrat für Bauen und Stadtentwicklung und stellvertretenden Bürgermeister Jörn Oltmann.

Bezirksstadtrat Jörn Oltmann vor dem Rathaus Schöneberg © Sascha Bachmann

Nur 4530 Stimmen bzw. 2,8 Prozentpunkte hatten den Grünen bei den Wahlen zur BVV in Tempelhof-Schöneberg gefehlt um den Bezirksbürgermeister stellen zu können. Man ist nicht traurig darüber; mit 21,9 % der Stimmen wurden immerhin der zweite Platz und zwei Stadtratsposten eingefahren.

tempelhofer journal: Herr Oltmann, Sie haben mit Ihrer langjährigen Tätigkeit als Bezirksverordneter und Fraktionsvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg viel politische Erfahrung gesammelt und leiten seit den letzten Wahlen zur BVV die Abteilung Stadtentwicklung und Bauen im Rathaus Schöneberg. Haben Sie in dieser Zeit schon etwas bewegt?

Jörn Oltmann: Ganz sicher! Die Arbeit unserer früheren Zählgemeinschaft mit den Sozialdemokraten hat Früchte getragen. Wir legen gerade die Grundlagen für weiteren Wohnungsbau in unserem Bezirk. Wir sind auf einem guten Weg und machen uns daran, den Sanierungs- und Modernisierungsstau abzuarbeiten.

tj: Wie sieht das konkret aus?

JO: Schwerpunkte sind: Bezahlbarer Wohnraum, sowohl im Bestand wie auch im Neubau. Dabei wollen wir die Bürgerinnen und Bürger so frühzeitig wie möglich beteiligen. Der Anteil an bezahlbaren Wohnungen soll über das Modell der kooperativen Baulandentwicklung vertraglich abgesichert werden. Wir wollen die Sanierung von Schulen und allen anderen öffentlichen Gebäuden gewährleisten.

tj: Die Gustav-Heinemann Schule ist ziemlich verrottet und seit vielen Jahren renovierungsbedürftig, ebenso das Luise-Henriette-Gymnasium. 

JO: Wir erstellen aktuell die Bauplanungsunterlage für den  Neubau der Gustav-Heinemann-Schule. Ich gehe davon aus, dass die Schule bis 2021 fertig ist. Für das Luise-Henriette-Gymnasium sind eine Grundsanierung und der Dachausbau des Hauptgebäudes erforderlich. Auch die Außenanlagen werden neu gestaltet. Ich gehe davon aus, dass die Baumaßnahmen zum Schuljahr 2020/21 abgeschlossen sind.

tj: Das Ankogelbad (Mariendorf) und das Götzbad (Tempelhof) befinden sich ebenfalls in einem schlechten Zustand. Was soll hier geschehen?

JO: Was die Bäder betrifft, sind wir mit den Bäderbetrieben im Gespräch. Die Bäderbetriebe müssen ihre eigenen Planungen konkretisieren, damit wir einen Bebauungsplan auf den Weg bringen können.

tj: Eines der größeren Projekte wurde in der letzten Ausgabe des tempelhofer journals vorgestellt: Die Neue Mitte Tempelhof. Hier soll ein Gebäudekomplex gebaut werden, zu dem eine Bibliothek, ein Hallenbad und die Polizei gehören werden. Zahlreiche neue Wohneinheiten sollen entstehen. Parkplätze und ein weiterer Ausbau der Infrastruktur sind notwendig. Wie wollen Sie das leisten? Auf dem Te-Damm bricht schon jetzt der Verkehr mindestens zweimal am Tag zusammen.

JO: Ich war beeindruckt vom guten Besuch der Veranstaltung und den überwiegend positiven und konstruktiven Vorschlägen der teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger, sowie den Gewerbetreibenden. So muss, so sollte Bürgerbeteiligung aussehen. Wir wollen die Neue Mitte Tempelhof als Identifikationspunkt für die Tempelhofer Bevölkerung entwickeln, mit einem Neubau der Bibliothek am Tempelhofer Damm und einer Erweiterung des Rathauses. Dies machen wir um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Wir sehen dort ein Potenzial von 400-500 Wohneinheiten. Die Verkehrssituation am Tempelhofer Damm ist, da stimme ich Ihnen zu, ziemlich prekär. Nur ein Drittel aller Berliner Einwohner verfügt über ein Auto und der Trend geht, besonders im Innenstadtbereich, eher in Richtung öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad. Der Tempelhofer Damm ist, was U-Bahn, Bus und S-Bahn betrifft, gut aufgestellt. Das Fahrrad spielt in den aktuellen Verkehrsplanungen eine große Rolle. Wir werden in dieser Richtung einiges unternehmen und wollen dafür sorgen, dass die Infrastruktur dort, wo es Sinn macht, fahrradfreundlich umgestaltet wird.

tj: Wie stehen Sie zum Ausbau der Dresdner Bahn und den dafür erforderlichen Baumaßnahmen in Lichtenrade? Haben Sie, hat der Bezirk, hat der Senat irgendeinen Einfluss auf den Planfeststellungsbeschluss des EBA (Eisenbahnamt) gegen eine Tunnellösung? Wie schätzen Sie das ein?

JO: Leider haben wir überhaupt keine Mitwirkungsmöglichkeit. Die Bürgerinitiative hat geklagt und wir müssen das Ergebnis des Gerichtsurteils gegen den Planfeststellungsbeschluss abwarten.

tj: Erfreulich ist der Umstand, dass der Eigentümer der alten Mälzerei die Räumlichkeiten nach der Sanierung in einem hohen Maß zu kulturellen Zwecken verwenden will.

JO: Das Grundstück an der Mälzerei wird erweitert. Der Eigentümer Thomas Bestgen hat nicht nur das historische Haus Buhr, sondern auch die nebenstehenden Gebäude und Grundstücke erworben.  Wir sind sehr optimistisch, dass Umgestaltung und Wohnbebauung sehr behutsam erfolgt. Karl-Heinz Kronauer

Kontakt: Jörn Oltmann, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin, Stellvertretender Bezirksbürgermeister und Stadtrat für Stadtentwicklung und Bauen, Rathaus Schöneberg
John-F.-Kennedy-Platz, 10820 Berlin, E-Mail: stadtbau@ba-ts.berlin.de

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