Bimillennium 2017: Ovid und Europa

„Ovids Traum“ auf dem Tempelhofer Feld

Das 2000 Jahre alte Geheimnis der „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid kommt nach Tempelhof.

Dieses Jahr ist der 2000. Todestag des römischen Dichters. Dazu hat die Freie Universität Berlin eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel: „Bimillennium 2017: Ovid und Europa“ ins Leben gerufen.

Ovid – im Garten der Wandlungen

Einen Teil der Veranstaltungsreihe bildet das Theater Anu. Dieses zeigt vom 27.-29. Juli und 03.-06. August jeweils ab 21.30 Uhr eine Parkinszenierung auf dem Tempelhofer Feld (Eingang Columbiadamm) mit dem Titel „OVIDS-TRAUM – im Garten der Wandlungen“. Dabei entsteht eine begehbare Traumwelt aus Licht und Sound: Getanzte Leidenschaft – poetisch, mystisch und hypnotisch. Das Projekt wird von der Grün Berlin GmbH und radioeins unterstützt. Ticketpreise und weitere Informationen online unter: www.theater-anu.de

Zum Bimillenium von Ovid wird bis 20.07. eine kostenlose Ringvorlesung im Offenen Hörsaal der FU mit dem Thema: „Deconstructing Gender? Ovid und die Frauen“ angeboten.

Das komplette Programm des Offenen Hörsaals gibt es unter: www.fu-berlin.de/offenerhoersaal

Interview mit Prof. Dr. Melanie Möller, Freie Universität Berlin

Das Interview für das tempelhofer journal führte Sebastian Treu.

tj: Frau Prof. Dr. Möller, was war ihr erster Kontakt, Ihre erste Erfahrung mit Ovid?

MM: Zum ersten Mal bin ich mit Ovids „Metamorphosen“ in der Schule in Berührung gekommen. Leider hatte ich Latein erst als dritte Fremdsprache gewählt, so blieb nicht sehr viel Zeit für intensive Leseerlebnisse; gleichwohl haben mich die Verwandlungssagen in der Weise, wie Ovid sie darbietet, sogleich gefesselt und nachhaltig beeindruckt. Im Studium habe ich gleich wieder Feuer gefangen, wir haben die „Metamorphosen“ in einer Kleingruppe intensiv gelesen und diskutiert; darüber hinaus haben wir uns aber auch mit anderen Werken Ovids befasst, vor allem mit den Liebesdichtungen. Die Werke sind übrigens durchaus nicht so „einfach“ zu übersetzen, wie manche meinen; die Texte sind so präzise wie bildgewaltig, da muss man auch mal länger feilen und kann sich in Geduld üben.

tj: Wie hat sich die Sprache seit Ovid Ihrer Meinung nach verändert?

MM: Die Bedeutung der lateinischen Sprache und Kultur für die geistige Entwicklung Europas kann kaum überschätzt werden. Sprachgeschichtlich betrachtet hat sich natürlich einiges getan. Aus der sog. vulgärlateinischen Umgangssprache haben sich schließlich die romanischen Sprachen entwickelt. Das Latein der Schriftsteller wie Ovid ist immer vorwiegend Schriftsprache gewesen, eine künstliche und künstlerische Ausprägung, die bis in Neuzeit und Moderne hineingewirkt hat und noch wirkt, auch wenn es u.a. in der Bildungspolitik Leute gibt, die das bezweifeln. Nur weil es nicht bzw. nicht mehr gesprochen wird, ist Latein noch lange keine „tote“ Sprache; vielmehr handelt es sich um eine höchst lebendige Literatursprache, und die Beschäftigung mit dieser Literatur kann uns viele bereichernde Fähigkeiten, vor allem genaues Lesen, Aufmerken, Zuhören – Denken! – vermitteln.

tj: Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem aktuellen Veranstaltungsprogramm?

MM: Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Ovid-Begeisterten aus verschiedenen Fächern, Experten und Laien, die ich im Rahmen meiner Veranstaltungen gerne zusammenbringen möchte. Vielen Menschen ist jedoch gar nicht bewusst, wie sehr ihr Wissen und ihre Vorstellungswelt von Ovid geprägt sind, vor allem, aber nicht nur von den „Metamorphosen“. Mit meinem Programm möchte ich auch darauf aufmerksam machen, wie selbstverständlich und eben zum Teil unbewusst wir mit einem zentralen Text der europäischen Kultur umgehen. Vor allem möchte ich die Modernität Ovids einem breiteren Publikum vor Augen führen – und natürlich auch für die Attraktivität des Faches Latein werben. Wir sind kein verstaubter Haufen ewig Gestriger, sondern begreifen uns als höchst lebendige und moderne „Hüter“ der römischen Kultur und wollen ihre Errungenschaften für möglichst viele Menschen zu einem intellektuellen Erlebnis werden lassen.

Info: www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de

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