Kolumne

Lichtenrade bekommt ein Schlechtwetter-Freibad!

Staat, Stadt, Bezirk und staatseigene Betriebe arbeiten manchmal doch gut zusammen. Jüngstes Beispiel: Der von den Leipziger Bundesverwaltungsrichtern am 29. Juni in erster und letzter Instanz für rechtmäßig erklärte Planfeststellungsbeschluss für den Bau eines Straßentunnels in der Lichtenrader Bahnhofstraße zur Unterquerung der Dresdner Bahn.

So kommt, was die Lichtenrader schon lange befürchteten: Nein, nicht die Dresdner Bahn an sich. Die hätte schon längst fahren dürfen und sollen. Lichtenrade bekommt den steilsten Straßentunnel in Berlin! Wird der wie andere Tunnelanlagen gebaut, gibt es bei Starkregen regelmäßig Überflutungen. Dann hat Lichtenrade das Freibad, das die Mariendorfer gerne hätten, der Bezirk aber aktuell nicht stemmen kann. Hat deshalb der abgewählte schwarz-rote Senat den eigenen Koalitionsbeschluss – für eine Bahn im Tunnel – genauso wenig ernsthaft verfolgt, wie der aktuelle rot-rot-grüne Senat? Der Bund hat’s schön auf die Berliner Landesregierung abgewälzt und der Bezirk war für die Bahn im Tunnel, hatte aber nix zu sagen. Sogar „ganz oben“ hat mitgespielt: Am Urteilstag schüttete es wie aus Eimern.

Als weitere Attraktion bekommt Lichtenrade im gleichen Zug auch noch eine bis zu sieben Meter hohe und über zwei Kilometer lange Lärmschutzmauer längs durch den Stadtteil.  Die ist sogar an noch weniger Stellen passierbar, als die originale Berliner Mauer: Nur an zwei. Ob das die Lichtenrader gut finden, hat trotz eifriger Lippenbekenntnisse niemanden in Politik und Verwaltung wirklich interessiert. Dafür will die Bahn die Lichtenrader bei der Farbe der Lärmschutzmauer  mitbestimmen lassen. Mitbestimmung ist doch toll, bei der Originalmauer ging das nur auf einer Seite.

Parallel dazu wird die Bahnhofstraße im Rahmen des  Geschäftsstraßenprojektes „Aktives Zentrum“ mit über 20 Millionen Steuergeldern aufgehübscht. Schade nur, dass viele der  Wiederbelebungsmaßnahmen während des Straßentunnelbaus wohl „absaufen“ werden.  Die ersten Händler sind schon weg. Ich bin gespannt, wie viele der zumeist inhabergeführten Geschäfte die mindestens fünfjährige, einseitige Sperrung der Bahnhofstraße überleben werden. Und die Lichtenrader Kundschaft wird die auf Jahre zur Stau-Sackgasse verurteilte Geschäftsstraße dann wohl auch eher weiträumig meiden.

Der Autor ist Vorsitzender des Unternehmer-Netzwerk Lichtenrade e.V.

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