Radfahrer sind ein Problem – eine Polemik

©Michael Fritz

„Halt die Fresse!“

Halt die Fresse!“ „Du tickst wohl nicht richtig!“ „Halt`s Maul!“ Dies sind alltägliche Antworten, die man von Radfahrern erhält, wenn man sie höflich und zurückhaltend darauf hinweist, dass sie doch bitte auf der Straße und nicht auf dem Gehweg fahren möchten. Oder (ganz kühne Idee): Sie könnten ja den – vorhandenen – Radweg benutzen. Eigentlich selbstverständlich, oder? Nicht für manchen Zeitgenossen auf dem Zweirad. Regeln? Sind für die anderen da. Ich fahre wie ich will.

Nicht alle, aber viele Radfahrer in Berlin sind echte Ego-Shooter, fahren aggressiv und rücksichtslos, sind verbal und physisch gewaltbereit. Dass sie andere Verkehrsteilnehmer belästigen, einschränken, gefährden interessiert sie nicht. In einer Stadt, die ständig voller wird, sind sie die problematischste Gruppe aller Verkehrsteilnehmer. Beispiele gefällig?

Moabit, eine Seitenstraße der Turmstraße, verkehrsberuhigt: Kaum Autos unterwegs, ideal für Radfahrer. Vorm, griechischen Restaurant, Tische auf dem Gehweg, lässt sich die Szene hautnah erleben. Ein Radfahrer nach dem anderen zwängt sich, Armlänge entfernt, zwischen den Gästen des Restaurants, durch; Dutzende sind es im Lauf des Abends. Und warum? Kopfsteinpflaster. Passt den Herrschaften nicht. Dabei ist es abgeflacht, gut zu befahren für die paar Meter.

Alexanderplatz am Vormittag: Pure Anarchie. Links, rechts, vorne, hinten flitzen sie an einem vorbei. Rücksichtnahme, Abstand? Fordern sie von Autofahrern. Aber selbst? Fehlanzeige. Sie wollen durch, sie wollen vorbei, es ist ihr Revier.

Schlosspark Charlottenburg, Tiergarten und andere Parks: Fahren auf den Hauptwegen erlaubt. Was machen Radler? Natürlich gondeln sie überall herum.

Bushalte- oder Straßenbahnhaltestellen: Wer auf sich hält, bremst nicht, sondern benutzt die ein- und aussteigenden Fahrgäste als Slalomstangen.

Gehwege: Überall gurken sie rum, ohne jedes Regelbewusstsein. Rauben Fußgängern (inklusive alten Leuten, Kleinkindern) das bisschen Schonraum, das diese zwischen Häuserwänden und parkenden bzw. fahrenden Autos in einer vollen Stadt haben. Mit welchem Recht? Die eigene Bequemlichkeit zählt mehr als alles andere.

Ein paar Typen tun sich dabei besonders hervor.

Der Kampfradler: Mit seinem Rennrad und seiner lächerlichen Kostümierung (enganliegende Wurstpelle mit Werbeaufdrucken) signalisiert er: Sport, schnell, aus dem Weg da. Er agiert nach dem Recht des Stärkeren. Wer nicht wegspringt, wird plattgemacht. Eine Bitte: Haut ab auf die Landstraße. Oder in ein Velodrom. Dort könnt ihr rasen.

Verpeilte Senioren: Auch unter Rentnern hat es sich herumgesprochen, dass Radfahren gesund ist. Bloß: Man ist schon etwas wacklig und die Straße ist ja so gefährlich. Da gurkt man doch lieber auf dem Gehweg rum. Wisst ihr was? Wer nicht so Rad fahren kann oder will, wie es den Verkehrsregeln entspricht, fährt eben nicht Rad. Oder steigt auf den Ergometer.

Berliner Proll: Ist unvermeidbar in dieser Stadt, auch auf dem Fahrrad. Aggressiv, vermeckert, rechthaberisch wie eh und je.

Party-Hipster: Ihm ist eh alles egal. In Berlin kommt es doch nicht so drauf an. Was kümmern ihn rote Ampeln? Wozu Licht am abgerockten Gefährt? Hauptsache, die Kopfhörer sind schön laut gestellt.

Kinderbegleitschützer: Warum um alles in der Welt müssen Eltern neben ihren radelnden Kindern auf dem Gehweg fahren (ist jetzt gesetzlich erlaubt)? Diese dürfen, ja müssen selbigen benutzen, gerade weil sie dort sicher sind. Da reicht es doch wahrhaftig, wenn man als Mutter oder Vater auf Straße oder Radweg parallel fährt und an der Kreuzung oder Einmündung hilft.

Ein Problem ist auch die Politik. Einem Radfahrverband kann man Lobbyismus nicht vorwerfen – denn das ist ja seine Bestimmung. Die Protagonisten der Szene reißen allerdings die Klappe schon sehr weit auf. Auffällig dabei: Nirgendwo findet sich auch nur der Hauch von Selbstkritik. Man könnte doch erst einmal vor der eigenen Haustür kehren. Da gäbe es genug zu tun. Der eigenen Klientel mal einzuschärfen, vor roten Ampeln anzuhalten. Handzeichen zu geben. Abstand von Fußgängern zu halten. Das Fahrzeug gut zu beleuchten. Nicht quer über Kreuzungen zu fahren. Verkehrszeichen zu beachten. Sich nicht um jeden Preis überall durch- und vorbeizuquetschen. Und, und, und. Dinge, die jeder Grundschüler schon weiß. Stattdessen positioniert man sich in einer ewigen Opferhaltung. Stimmt, als Radfahrer ist man schon mal gebeutelt vom motorisierten Verkehr – aber gibt einem das das Recht, seinerseits Fußgänger zu drangsalieren und in Gefahr zu bringen?

Hinzu kommt die einseitige Rad-Klientelpolitik der Linksregierung im Roten Rathaus – die Unverschämtheit, Wurstigkeit und Rücksichtslosigkeit ihrer „Kundschaft“ hat auch darin ihre Ursachen. Sie spürt: Politisch hat sie derzeit Oberwasser. Dabei wäre es Zeit für eine Null-Toleranz-Linie. Je schärfer die Kontrollen und je empfindlicher die Strafen, desto eher setzt man Regeln durch. Warum keine Kennzeichen für Fahrräder? Oder einen Führerschein? Die Schulkinder, die in der vierten Klasse die Radfahrprüfung machen, sind jedenfalls fit in Sachen Verkehr.

Unmut, Wut und Verbitterung über Radfahrer wachsen. Fußgängern und Autofahrern reicht´s. Hunderte von Kommentaren unter einschlägigen Artikeln im Internet zeugen davon. Die Hoffnung bleibt, dass Radfahrer lernfähig sind –, dass sie begreifen, dass es in ihrem eigenen Interesse liegt, den alltäglichen Straßenverkehr nicht als Kampf und Anarchie zu gestalten. Christoph Schröder

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