Moderne Friedhofskultur in Mariendorf

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Der Heidefriedhof an der Reißeckstraße

Unweit von Alt-Mariendorf, an der Reißeckstraße, befindet sich mit dem 1951 errichteten Heidefriedhof die modernste Friedhofsanlage des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Ein schöner Spätsommertag lädt zum Spaziergang ein.
Betritt man das Gelände wird sogleich augenfällig, woher sein Name stammt: Seitlich der breiten Hauptachse wurden Wacholderbüsche und Heidekraut gepflanzt. Als Besucher folgt man gewundenen Wegen, stößt auf ausgedehnte Grünflächen und alten Baumbestand. Man bewegt sich in einem Landschaftspark; einer Anlage mithin, die naturnah gestaltet ist, das Drumherum der Großstadt vergessen macht. Bänke laden zum Verweilen ein.
Wie auf vielen Berliner Friedhöfen befinden sich auch hier Kriegsgräber. Der Zweite Weltkrieg: So sehr wurde das Thema vom Fernsehen überstrapaziert, gerade ausgebeutet. Und dann steht man vor diesem Feld von kleinen Kreuzen, Reihe um Reihe, eins wie das andere und Grauen und Trauer packt einen angesichts des sinnlosen, frühen Todes einer ganzen Generation. Eindrücklich und authentisch ist diese nicht-mediale Art des Gedenkens, der Mahnung.
Auf den Grabsteinen liest man manch bekannten Berliner Namen. Die Tempelhofer Bürgermeister Fritz Wiesener und Otto Burgemeister sowie der Stadtälteste Alfred Menger wurden hier beerdigt. Nach ihnen sind auch Straßen im Bezirk benannt. Der Sozialdemokrat Franz Klühs war ein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Noch nicht so lange zurück liegt das Begräbnis von Jürgen Fuchs (1950 – 1999). Der DDR-Oppositionelle wurde schon als Schüler für seine Gedichte und für seine freie Meinungsäußerung gemaßregelt, musste später die Universität verlassen und wurde bald darauf inhaftiert. Er war einer jener authentischen Typen, denen ihre aufrechte Haltung am wichtigsten war; für die Anpassung ans System Heuchelei und nichts als eine schleichende Selbstvergiftung gewesen wäre. Später lebte er als Psychologe und Schriftsteller in West-Berlin.
In den letzten Jahren ist die anonyme Urnenbestattung in Mode gekommen; nicht zuletzt aus Kostengründen. Doch kommen viele Hinterbliebene nicht damit klar, keinen eindeutig markierten Ort für ihre Trauer zu haben. Deshalb wurden – auf dem Heidefriedhof in mehreren Abteilungen zu finden –alternative, preisgünstige Bestattungsformen entwickelt. Die „Ruhegemeinschaft“ ist eine solche. Auf einer größeren, einheitlich gestalteten Fläche ist der Name jedes Verstorbenen genannt; entweder auf einer Stele, einem alten Grabdenkmal oder einer Platte direkt über der Urne. Auch Partner-Ruhegemeinschaften werden angeboten.
Landschaftspark, neue Bestattungsformen, auch die bemerkenswerte Architektur der Kapelle – der Heidefriedhof Mariendorf ist ein markantes und besuchenswertes Beispiel moderner Friedhofskultur. Christoph Schröder

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