Kolumnen

Borchardt_Marke

Sie war aus dem Internet

Können Sie meinem  Mann denn irgendwas geben, was ihm hilft?“ Seit mehreren   Minuten versuche ich aus dem  Paar, das mitten in der Nacht an meiner Notdienstklappe steht, herauszubekommen, was dem Mann fehlen könnte.  Merkwürdigerweise rücken sie nicht so recht mit der Sprache heraus. Dass es dem kräftigen Mittfünfziger nicht gutgeht, sieht man jedoch auf dem ersten Blick: ein hochrotes Gesicht, mit  Schweiß auf der Stirn. Er habe  eine Tablette eingenommen, die ihm nicht gut bekommen sei. Wie sie heiße, habe er vergessen, sagt er und schlägt die Augen nieder.  „Wogegen nehmen Sie diese Tablette denn ein? Ist das Medikament neu für Sie? – hat der Arzt etwas umgestellt?“ frage ich vorsichtig.  Liegt hier eine Unverträglichkeit vor – oder eine falsche Dosierung? Warum nur bekomme ich keine Antwort? Schließlich fasst sich seine besorgte Frau ein Herz und flüstert kaum hörbar: „Sie war aus dem Internet.“ Eine böse Ahnung steigt in mir auf. Könnte es sich um ein Potenzmittel handeln? Womöglich billig online bezogen – aus  womöglich dubioser Quelle? Und könnte dieses vielleicht einen enormen Blutdruckanstieg  bis hin zum drohenden Kreislaufkollaps erzeugt haben? Und war überhaupt das drin, was draufstand? Behutsam taste ich mich in diese Richtung weiter vor, denn jetzt bin auch ich besorgt. Es ist bekannt, dass über  die Hälfte aller Medikamente, die von illegalen, meist ausländischen  Versendern bezogen werden, ge-  oder verfälscht sind . Mit fehlenden oder anderen Wirkstoffen als deklariert , teilweise gefährlich, manche sogar lebensbedrohlich, zum Beispiel  Blei,  Arsen oder Borsäure. Dabei gibt es genug vertrauenswürdige Online-Apotheken, die von den Gesundheitsbehörden zertifiziert wurden! Inständig bitte ich die beiden, mir ihr Vertrauen zu schenken, doch die völlig unbegründete Scham lässt sie endgültig verstummen. Ich flehe sie an, noch heute Nacht eine nahegelegene Klinik aufzusuchen, um wenigstens den Kreislaufzustand zu stabilisieren, denn ohne ein ärztliche Diagnose wage ich nichts abzugeben. Ob sie es tun werden?

 

Rawert_Marke

Mehr und bessere Leistungen in der Pflege

Das Pflegestärkungsgesetz 1 beinhaltet mehr und bessere Leistungen für Pflegebedürftige, für an Demenz Erkrankte und pflegende Angehörige. Es stärkt die häusliche Pflege. Am 1. Januar 2015 tritt es in Kraft. Es ist die erste Stufe einer großen Pflegereform in dieser Legislaturperiode. Zu dieser gehören noch die Einführung des neuen Begriffs der Pflegebedürftigkeit und ein neues Begutachtungsverfahren sowie ein Pflegeberufegesetz und ein Pflegezeitgesetz.

Pflege ist in der Mitte der Gesellschaft. Jeder zweite Mann und zwei von drei Frauen werden pflegebedürftig. Zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt. Sie alle wollen möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden verbleiben.

Das Pflegestärkungsgesetz 1 beinhaltet Leistungsausweitungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige. Um dies zu finanzieren wird der Beitragssatz zum 1. Januar um 0,3% erhöht. Davon fließen 0,1% in den von der Union geforderten Pflegevorsorgefonds. Im Gegenzug haben wir SozialdemokratInnen eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte erstritten. Tariflöhne gelten nicht mehr als „unwirtschaftlich“. Außerdem sichern wir 2,4 Milliarden Euro für die Leistungsverbesserungen.

Die Leistungen der häuslichen Pflege werden flexibler. Die Neuregelung von Kurzzeit- und Verhinderungspflege bedeutet flexiblere Möglichkeiten für Angehörige. Tages- und Nachtpflege können künftig neben ambulanten Pflegesachleistungen und/oder Pflegegeld ohne Anrechnung voll in Anspruch genommen werden. Der Ausbau niedrigschwelliger Betreuungs- und Entlastungsleistungen bedeutet spürbare Verbesserungen im Alltag, z. B. durch Hilfe im Haushalt. Erhöht und weiterentwickelt wird der Wohngruppenzuschlag.

In der stationären Pflege verbessern wir den Betreuungsschlüssel von 1:24 auf 1:20 durch den zusätzlichen Einsatz von nun bis zu 45.000 Betreuungskräften. Die Betreuungskräfte sind jetzt für alle BewohnerInnen da, nicht mehr nur für Pflegebedürftige mit Demenz.

Am 1. Januar 2015 tritt ebenfalls das Pflegezeitgesetz in Kraft. Erwerbstägige, die kurzfristig die Pflegesituation eines Angehörigen sichern müssen, können Pflegeunterstützungsgeld, welches einen Großteil des Verdienstausfalles auffängt, beantragen. Außerdem gibt es für sechs Monate ausschließliche Pflegezeit ein zinsloses rückzahlbares Darlehen.

Mit dem Pflegestärkungsgesetz 2 wird der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen einerseits und mit kognitiven sowie psychischen Einschränkungen andererseits wird damit endlich wegfallen. Im Zentrum steht der individuelle Unterstützungsbedarf. Wir wollen so die Teilhabe aller stärken.

■ Kompetente und unabhängige Pflegeberatung vor Ort erhalten Sie im Pflegestützpunkt Tempelhof, Reinhardtstr. 7, 12103 Berlin, Sprechstunden: Dienstag: 09:00 bis 15:00 Uhr, Donnerstag: 12:00 bis 18:00 Uhr sowie nach Vereinbarung, Tel.:  030 –755 07 0

Dieser Beitrag wurde unter Archiv abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .