Der Tempelhofer Hafenmeister Jens-Uwe Stiebitz

„Wasser war immer schon mein Ding“

Der Mann vom Tempelhofer Hafen: Hafenmeister Jens-Uwe Stiebitz©Tempelhofer Hafen

Der Mann vom Tempelhofer Hafen: Hafenmeister Jens-Uwe Stiebitz©Tempelhofer Hafen

Tempelhof hat nicht nur einen (ehemaligen) Flughafen, sondern auch einen Binnenhafen am Teltowkanal – erst durch Bau und Eröffnung des Einkaufscenters „Tempelhofer Hafen Berlin“ im Jahr 2009 rückte er wieder in Blickpunkt und Bewusstsein der Öffentlichkeit. Shoppen mit maritimem Flair, das kann man sonst in Berlin nirgends und das Publikum nimmt diese Möglichkeit wahr, spaziert gern mal am Pier entlang, nutzt die gastronomischen Angebote mit Blick auf das Hafenbecken – das auch wieder als solches genutzt wird. Allerlei Boote liegen dort vor Anker und wir besuchen heute einmal einen der beiden Männer, die dort für reibungslose Abläufe sorgen: Hafenmeister Jens-Uwe Stiebitz.
Wir treffen ihn in seinem Büro an Bord des alten Tankschiffs „Glauchau“ (nun versehen mit der Aufschrift „Alte Liebe Tempelhof“), das die Ostseite des Hafenbeckens einnimmt. Jens-Uwe Stiebitz ist ein stattlicher Kerl – gerade noch passt er unter der niedrigen Decke seines Büros durch –, dem man ohne Bedenken jede in seinem Job notwendige körperliche Anstrengung zutraut. Mit Gelassenheit und Freundlichkeit begegnet er den Unwägbarkeiten seines beruflichen Alltags – Berliner „Herz mit Schnauze“ eben. Bei einem Kaffee kommen wir ins Gespräch.

„tempelhofer journal“: Wie wird man eigentlich Hafenmeister?
Jens-Uwe Stiebitz: Na ja, wie man manchmal so reinrutscht … eigentlich bin ich Kommunikationselektriker. Aber Wasser war immer schon mein Ding. Ich segele seit meinem sechsten, siebten Lebensjahr. Auf dem Tegeler See bin ich groß geworden. 2012 habe ich hier angefangen.

Was sind denn so deine Aufgaben hier? Wie sieht dein typischer Tagesablauf aus?
Ich komme morgens um neun, dann checke ich, ob der Hafen o.k. ist. Unsere Priorität ist natürlich die Betreuung der Bootsgäste, die durch uns in den Hafen eingewiesen werden und die wir gerne beim Festmachen der Boote unterstützten. Außerdem rechnen wir die Bootsmieter ab und übernehmen die gesamte Buchführung. Wir kümmern uns darum, dass es hier läuft, sind Mädchen für alles im Hafenbereich. Irgendein Problem haben die Bootsmieter immer. Und last but not least: wir bieten unseren Besuchern einen kostenlosen Hafenshuttle auf unserer „Neuen Liebe“ an. Unsere Besucher können sich durch uns kostenlos von „Pier 13“ zum „iLand“ übersetzten lassen – unser Hafenservice von April bis Oktober.

Du teilst dir den Job mit einem Kollegen, richtig?
Genau.

Was sind denn Highlights in deinem Job?
Wenn du so abends hier sitzt, ist es einfach sensationell schön. Du merkst gar nicht, dass du in der Großstadt bist. Du kannst komplett abschalten. Und dann spiele ich gern „Hafentetris“, im Sommer, wenn`s voll ist: Wo kriege ich noch einen unter?

Woher kommen denn eure Gäste?
Wir haben 39 Liegeplätze hier, davon sind 13 für Gastlieger, der Rest sind Dauerlieger. Diese Saison ist die halbe Schweiz hier. Ansonsten Engländer, Australier, Leute aus der ganzen Welt, Deutsche natürlich auch. Viele chartern sich ein Boot, genießen diese einmalige Wasserlandschaft, die wir hier in der Region haben, die vielen zusammenhängenden Seen bis hoch an die Ostsee. Und schauen sich gern auch Berlin an. Da mache ich dann Tourismusberatung: Was kann man von hier aus gut erreichen? Das Tempelhofer Feld, Mitte, den Kudamm … von der Lage her ist der Hafen ja klasse, mit der U-Bahn direkt vor der Tür.

Wie würdest du eure Klientel beschreiben?
Das sind alles positiv Bekloppte. Die geben ein Heidengeld für ihr Hobby aus, sind hier unter Gleichgesinnten und freuen sich einfach daran. Hier kommt der Vorstandsvorsitzende in kurzen Hosen und ist ganz entspannt – den möchtest du aber nicht in seiner Firma kennen lernen! Das ist wie am Lagerfeuer, da bist du auch so tiefenentspannt. Viele Bootseigner haben das Arbeitsleben schon hinter sich und sagen: Jetzt schaue ich mir mal die Gegend an. Und ich bekomme im Gegenzug Hafenkino geboten.

Maritimes Flair: Berlin einziges Einkaufszentrum mit eigenem Hafen. ©Marlies Königsberg

Maritimes Flair: Berlin einziges Einkaufszentrum mit eigenem Hafen. ©Marlies Königsberg

Hafenkino? Was wird denn da gespielt?
Zum Beispiel, wenn Pärchen kommen. Er lenkt, sie hält vorn die Leinen. Er will zeigen, was für ein toller Kerl er ist; sie ihm das Gegenteil beweisen … da erlebt man schon mal menschliche Abgründe. Wir helfen ja oft beim Anlegen. Aber manche wollen das nicht, weil sie dann ein bisschen in ihrer Ehre gekränkt sind. Dann guckt man sich das in Ruhe von der Seite an und wartet, was passiert. Immer, wenn man besonders cool sein will, klappt es ja nicht …

Gehst du eigentlich selbst auch noch aufs Wasser?
Klar, ich habe sämtliche Scheine. Gerade bin ich dabei mir ein 50-PS-Boot zuzulegen, so fünf Meter lang, das passt noch auf den Hänger. Da können die Kinder dann Wakeboard fahren. Ist ein bisschen wie Wasserski, nur dass man auf einem Brett steht, das kürzer und breiter ist. Durch die Heckwelle vom Boot kannst du dann springen.

Danke für das Gespräch! Wir wünschen euch hier im Tempelhofer Hafen eine tolle Saison! Christoph Schröder

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