Kolumnen

„Gib Gummi!“

Borchardt_MarkeWir haben eine Panne gehabt“. Die junge Frau steht sichtlich zerknirscht vorm Handverkaufstisch. Nanu – wir sind doch eine Apotheke und keine Kfz-Werkstatt? Wie sich gleich herausstellt, ist sie tatsächlich „liegen geblieben“, allerdings nicht auf der Stadtautobahn—und ich expediere sie schleunigst in unser diskretes Beratungszimmer.
Dass die Empfängnisverhütung beim Sex missglückt, kommt ab und an mal vor. Manchmal reißt das Kondom, die Frau vergisst die Pille oder nimmt sie erst gar nicht, und im Rausch der Hormone (oder war es Alkohol?) denkt man nicht mehr daran, rechtzeitig gewisse Vorkehrungen zu treffen. Passiert das am Wochenende oder in der Nacht, war es früher schwierig, sich rechtzeitig bei einem Arzt einzufinden, um die „Pille danach“ verordnet zu bekommen. Diese Produkte verschieben den Eisprung der Frau, sodass das gefürchtete Rendezvous von Ei und Samenzelle vereitelt wird. Sie wirken aber nur dann zuverlässig, wenn sie so früh wie möglich nach dem Ereignis eingenommen werden! Seit Kurzem sind sie jedoch zur Erleichterung vieler aus der Verschreibungspflicht entlassen worden und können von der Frau ohne Rezept in der Apotheke gekauft werden.
Ich kann die junge Dame, die bangen Herzens auf unserem Sofa sitzt, also erst einmal etwas beruhigen. Allerdings komme ich nicht umhin, meiner Beratungspflicht nachzugehen und ihr einige Fragen zu stellen, die ins Persönliche gehen. Viele meiner Kollegen sind verunsichert: Wo hört die Beratung auf ; wo fängt der Einbruch in die Privatsphäre an? Manche haben gar ethische Bedenken bei der Abgabe. Doch die „Pille danach“ ist kein Abtreibungsmedikament – sie verändert den zeitlichen Ablauf des weiblichen Zyklus. Sie ist aber auch bei bestimmten Voraussetzungen unwirksam – oder sogar gefährlich – und deswegen ist und bleibt sie ein Notfallmedikament!
Die Kundin versteht, dass wir im Sinne ihres Wohlergehens handeln, und ich erkläre ihr, warum ich dieses Gespräch mit ihr führe – und auch, warum nur sie selbst und nicht ihr/e Partner/Schwester/ Freundin diese Pille für sie kaufen kann. Beim Hinausgehen dreht sie sich noch einmal um, nimmt ein Päckchen Kondome aus dem Angebotskorb und legt sie mir zum Kassieren auf den Tisch. „Die Familienpackung!“ lacht sie und zwinkert mir verschwörerisch zu …

Rassismus und Diskriminierung melden!

Rawert_MarkeJede und jeder will sicher und in einer friedlichen Umgebung leben. Wir wollen uns sicher fühlen, wenn wir in der Stadt unterwegs sind. Leider ist das nicht für alle Menschen möglich. Immer wieder gibt es rassistische und diskriminierende Vorfälle in Berlin – auch in Tempelhof-Schöneberg.
So wie Sie bin ich der Meinung: Diskriminierungen, menschenfeindliche Äußerungen, rechtsextreme Übergriffe, Schmierereien mit volksverhetzendem Charakter oder rassistische Aufkleber haben keinen Platz in unserer Gesellschaft. Sie sind nicht hinnehmbar. Und wir wollen und dürfen uns nicht an sie gewöhnen.

Bezirkliche Registerstelle
Das Sichtbarmachen von Diskriminierung und Rassismus im Alltag auf lokaler Ebene ist das Ziel der bezirklichen Registerstellen. Seit Juli 2014 ist das Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der ufaFabrik e.V. (NUSZ) Träger der Registerstelle in Tempelhof-Schöneberg. Dorthin können rassistische, antisemitische, homo- und transphobe, antiziganistische, rechtsextreme, rechtspopulistische und andere diskriminierend motivierte Vorfälle gemeldet werden. Die Register dokumentieren und analysieren die Vorfälle. Mit den Registern reagieren wir auf diskriminierende und/oder menschenverachtende Vorfälle im öffentlichen Raum.

Gemeinsam gegen Rassismus
Ich habe mein Wahlkreisbüro als Meldestelle zur Verfügung gestellt. So unterstütze ich die Arbeit der Registerstelle. Meine Mitarbeiterinnen nehmen Hinweise – auch anonym – entgegen. Sie müssen ihnen lediglich Art, Ort und Zeit des Vorfalls mitteilen. Das geht per Telefon (720 13 884), per Mail: mechthild.rawert.wk@bundestag.de oder auch persönlich in der Friedrich-Wilhelm-Straße 86, 12099 Berlin. Bei Zerstörungen/Beschädigungen oder Schmierereien können auch Fotos mitgeschickt werden. Meine Mitarbeiterinnen leiten die Informationen dann an die Registerstelle weiter.
Die Opfer von Gewalt, Rassismus und Diskriminierung benötigen unser aller Solidarität und Unterstützung. Deshalb bitte ich Sie: Schauen Sie hin! Melden Sie Vorfälle! Sorgen Sie gemeinsam mit uns allen dafür, dass Tempelhof-Schöneberg bleibt was es ist: Ein bunter, vielfältiger Bezirk in dem Jede und Jeder angstfrei leben kann und in dem wir respektvoll miteinander umgehen.

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