Kolumne

Borchardt_MarkeKleines Essay des Verhörens

Ham Se auch Vinylbrom?“ fragt meine Kundin und schaut
mich auffordernd an. Ich glaube nicht richtig gehört zu haben
und frage noch einmal nach. „Na, Vinylbrom! Wattdenn, hamse
nich? Jibts in jeder Apotheke!“ Meine einst durchaus respektablen
Kenntnisse der organischen Chemie im Geiste durchforstend,
zerbreche ich mir den Kopf, was es sein könnte. Ein Medikament?
Eine verbotene Substanz, womöglich eine explosive Chemikalie (Wo
liegt nur gleich bei uns das Gefahrstoffbuch?)? Ein Hustenbonbon?
Oder das letzte Must-have aus dem „Goldenen Blatt“?
Krankheit -und Medikamentennamen sind nicht leicht
auszusprechen und erst recht nicht zu behalten. Oftmals haben
sie einen lateinischen Ursprung oder sind reine Kunstnamen,
die sich jeder „Eselsbrücke“ entziehen. Da steht so mancher
ratlos in der Apotheke und weiß nicht mehr, was er sich
eigentlich besorgen wollte. Aus einer hautpflegend sanften,
unschuldigen Remedermcreme wird dann auf einmal eine
wilde“ Remmidemmicreme“. Und höchst gefährlich klingende
„Krokodiltropfen“ (haben Sie ein Rezept vom Tierarzt?) entpuppen
sich als das milde Kreislaufmittel Korodin. Oder: Ein leicht
übernächtigter Kunde, von Beruf Koch, verlangt gedankenverloren
„Zink-Pastete“, wo doch eigentlich Zinkpaste gemeint war. Oder z. B.
die neunzigjährige Seniorin, die vehement auf ihre „Kifferlatschen!
GRÜN!!“ besteht. (Wir sind doch kein Schuhgeschäft? Und
in Haschisch machen wir auch nicht?) Sie ist dann auch mit
Latschenkiefer- Franzbranntwein zufrieden. Selbst Apotheker
kämpfen manchmal mit dem unaussprechlichen „Umckaloabo“-
es heißt wirklich so! Und wenn mir ein schmerzgeplagter Patient
etwas von seinen Magenbeschwerden durch „Helikopterbakterien“
(er meinte Helicobactermikroben) erzählt, bekommt der Ausdruck
„Schmetterlinge im Bauch“ plötzlich eine völlig neue Bedeutung …
Meiner Vinylbrom-Kundin mit berlinerischem Zungenschlag
konnte ich dann doch noch weiterhelfen. Es waren schlichtweg
„Vichy-Proben“ der bekannten Kosmetikfirma gemeint.

Rawert_MarkeLeben in Würde – Sterben in Würde

Wie will ich sterben? Wie soll das aussehen – mein
selbstbestimmtes Sterben? Darf mir jemand dabei helfen?
Wird mit einer erlaubten Beihilfe zum Suizid Druck auf Schwache
und Einsame ausgeübt? Ist die Debatte um Sterbehilfe nicht vor allem
eine um die Frage: In welcher Gesellschaft will ich leben? Diese sehr
persönlichen Fragen werden derzeit breit diskutiert.
Die moderne Medizin stellt uns am Lebensende vor die Frage, wie
das Sterben gestaltet und begleitet werden kann. Die Vorschläge
reichen von einem völligen Verbot bis hin zu einer geregelten
Freigabe von Beihilfe zum Suizid.
Der Bundestag wird im November 2015 über vier
fraktionsübergreifende Anträge zur Sterbebegleitung abstimmen. Für
jede einzelne Abgeordnete und jeden einzelnen Abgeordneten ist das
eine Gewissensfrage.
Im Vorfeld möchte ich die ethischen, medizinischen und
juristischen Aspekte der Sterbebegleitung erörtern und die
Erfahrungen vieler Menschen einbeziehen. Wie erleben Sie den
Umgang unserer Gesellschaft mit Alter, Krankheit und Tod?
Ich laden Sie herzlich ein, die vielen Fragen und gesellschaftlichen
Herausforderungen zu diskutieren. Ich freue mich, diese
Veranstaltung zusammen mit meiner Berliner Kollegin Dr. Eva Högl
durchzuführen. Mit der Veranstaltung „Sterben in Würde“ möchten
wir Sie über den aktuellen Stand der Debatte informieren.
Auch in der evangelischen Kirche gibt es eine breite Debatte zum
Thema Sterbehilfe. Dr. Astrid Giebel vom Vorstandsbüro der
Diakonie Deutschland wird ihre Position darstellen. Sie ist
Mitherausgeberin des Sammelbandes „Würde, Selbstbestimmung,
Sorgekultur: Blinde Flecken in der Sterbehilfedebatte“. Eine wichtige
Rolle spielt die Frage nach dem ärztlichen Selbstverständnis. Hierzu
wird Dr. Günther Jonitz, der Präsident der Berliner Ärztekammer
referieren.
Wann: am Dienstag, 22. September 2015, um 19:30 Uhr
Wo: im Gemeindesaal der Evangelischen Paulus-Kirchengemeinde
Tempelhof, Badener Ring 23, 12101 Berlin
Ihre Meinungen und Erfahrungen sind für meine
Entscheidungsfindung wichtig und herzlich willkommen. Ich freue
mich auf den Austausch mit Ihnen.
Info: www.mechthild-rawert.de

 

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