Kolumnen

Marke Schröder

Außer Kontrolle

Wir Deutschen haben es gern ordentlich, kontrolliert, überschaubar, geregelt, gut geplant. Nur wenige Ausnahmesituationen gibt es, bei denen wir uns das Sich-Gehen-Lassen gestatten. Umso bemerkenswerter ist, es wieviel derzeit in Politik und Gesellschaft außer Kontrolle gerät.
Am aktuellsten ist hierbei „Köln“. So traurig es ist, seit der Silvesternacht ist der Städtename ein Synonym für sexualisierte Gewalt, in Tateinheit mit Diebstählen und Landfriedensbruch. Die zusammengesparte Polizei war machtlos angesichts der alkoholisierten, enthemmten Masse und musste sich verhöhnen lassen. Die Situation außerhalb rechtsstaatlicher Kontrolle hinterließ eine Vielzahl weiblicher Opfer. Die Täter waren Migranten, Zuwanderer, Flüchtlinge arabischer und nordafrikanischer Herkunft. Die Politik, wie immer, wenn sie von ihrem Versagen ablenken will, reagiert großmäulig, kündigt „die ganze Härte des Rechtsstaats“ an oder relativiert das Geschehen. Außer Kontrolle ist immer noch der Zustrom von Flüchtlingen und Zuwanderern. Niemand weiß, wie viele unregistriert im Land sind; wer da so alles dabei ist, wie viele noch kommen werden; wie die Menschen adäquat zu versorgen, zu integrieren sind – ein Land im Modus der Überforderung.
Versetzen wir uns einen Moment in die Rolle der Kanzlerin: Verschiedene Minister befinden sich zunehmend außerhalb ihrer Kontrolle (Schäuble, de Maiziere); Teile der Abgeordnete und der Parteibasis gehorchen nicht mehr, die europäischen Partnerländer ebenso wenig.
NoGo-Stadtteile (weil in der Hand krimineller Clans) in Essen, Duisburg, Gelsenkirchen – die Polizei traut sich nicht mehr rein.
Schauplatz Internet: In vielen Foren und Netzwerken bricht sich Hetze und Rassismus Bahn, gerät die Diskussion, geraten zivilisatorische Standards außer Kontrolle.
Schauplatz Berlin: Das Chaos am Lageso dauert an, die SPD-CDU Koalition bekommt die Lage nicht in den Griff.
Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte: Brandstiftung wird zum Mittel der politischen Auseinandersetzung. Werte und Verhaltensnormen erodieren, Polizei und Justiz werden der Täter nicht habhaft.
Vieles erinnert derzeit an die letzten Monate der DDR. Damals wie heute: Eine hilflose Regierung, die von den Ereignissen (die sich lange abzeichneten) überrumpelt und überfordert ist. Die pure Angst der Politiker vor dem Volk, das ihnen misstraut. Staatsmedien (wie ARD und ZDF), die vertuschen und beschönigen, legitime Sichtweisen (wie Kritik an der Flüchtlingspolitik) nicht zulassen bzw. diskreditieren.
Das Jahr hat gerade erst begonnen.

Borchardt_Marke

 

 

 

 

Guter Vorsatz: Achtsamkeit

Dada! Da!“ Vergnügt kräht das Kleinkind, sicher im Buggy verstaut, und zeigt mit seinem dicken Fingerchen im Bus
umher. Vielleicht ist es seine allererste Busfahrt, den großen, erstaunten Äuglein nach zu urteilen? Da gibt es viel Aufregendes zu sehen und das will es auch der Mutter mitteilen – doch die hört gar nicht hin. Sie ist mit ihrem Smartphone beschäftigt und schaut nicht auf. „Schade – ihr entgeht da gerade was Schönes“, denke ich, zwei Bänke weiter sitzend die Situation beobachtend.

Als wir auf die nächste Haltestelle zufahren, sehe ich aus dem Fenster und bemerke einen Rollator am Bürgersteigrand, der auf die Straße und vor den Bus zu rollen droht. Wehe, wenn sie losgelassen! In letzter Minute greift der betagte Besitzer zu und rettet ihn – er hat gerade noch rechtzeitig vom Display seines Handys aufgeschaut.
„Uff!“ Ich seufze erleichtert und denke darüber nach, ob diese diversen mobilen elektronischen Assistenten wie Smartphones und iPads, die manchen so unentbehrlich geworden sind, uns und unsere Wahrnehmung der Umwelt wohl verändern können.

Meine Nachbarin hat neulich an unserer Kreuzung beherzt zugegriffen, als zwei Teenies, die iPhone-Kopfhörer im Ohr, lachend, tanzend und miteinander herumalbernd auf die Straße laufen wollten, ohne auf den bereits heranbrausenden Verkehr zu achten – ohne ihn zu hören. Gehen uns Grundfähigkeiten verloren? Erwerben wir dafür neue, und können sie die alten ersetzen in der digitalen Welt? Auch am Arbeitsplatz verschwindet manche zwischenmenschliche Kommunikation, wenn man sich mit dem Computer als drittem Gesprächspartner auseinandersetzen muss. Nun – ohne digitale Helferlein wird es nicht mehr gehen, doch behalten wir wie meine achtsame Nachbarin unsere Mitmenschen im Blick. Nicht nur im Straßenverkehr, auch in der Familie. Richten wir unseren Blick statt nach unten auf das Display öfter mal in die Augen unseres Gegenübers. So manches Partner-Suchportal könnte sich dann vielleicht erübrigen…

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