Berlin-Tempelhof in alten Bildern

Vom Paradefeld nach Lichtenrade

Das heutige Karstadt hieß von 1950 bis 1967 Kaufhaus Walden ©Bildarchiv Ralf Schmiedecke

Wieder hat der Sutton Verlag einen für Tempelhofer hochinteressanten Fotoband herausgebracht. „Berlin-Tempelhof“ lautet der schlichte Titel des mit 160 Fotografien bestückten Hardcovers im handlichen Format 17 x 24 cm. Der Autor Ralf Schmiedecke, 1963 in Berlin geboren, ist passionierter Sammler historischer Ansichtskarten und „Kiezhistoriker“ – altmodisch gesprochen könnte man ihn als Heimatforscher bezeichnen. Und dieser Aufgabe wird er mit aller Akribie und Leidenschaft gerecht.

Der Band beginnt mit einer knappen Einführung in die Geschichte Tempelhofs und seiner Ortsteile. Dann aber geht es auch schon mit den Fotos los. Quasi an der Hand des Historikers unternimmt der Leser einen langen Spaziergang durch den gesamten Bezirk – und zwar von Norden nach Süden. Auf dem Tempelhofer Feld beginnt der Weg (dem Flughafen ist ein eigener Band des Sutton Verlags von Bernd-Rüdiger Albrecht gewidmet; besprochen in Ausgabe 4-2017 des tempelhofer journals); danach wandert man durch Neu-Tempelhof. Es folgen der alte Dorfkern und der zentrale Bereich zwischen Rathaus und Hafen. Ein eigenes Kapitel blättert die Geschichte der Tempelhofer Industrie auf, bevor schließlich die Ortsteile Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade durchstreift werden.

Welch ein Sehvergnügen sind diese Schwarz-Weiß-Aufnahmen; welch eine Einladung zum sentimental-nostalgischen Schwärmen, Staunen, Träumen! Da schaut und vergleicht man: Was ist heute noch wiedererkennbar da, welche Gebäude, Straßenecke und wie anders sah es damals dennoch aus – ohne Autos, Werbung, all die Insignien des Stadtbilds unserer Zeit … Das andere Lebenstempo, die Würde früherer Epochen treten einem entgegen. Auch wenn man weiß: Die gute, alte Zeit ist eine Illusion von heute – in diesem Fotoband gibt man sich selbiger gerne hin. Und jedes Bild ist hochinformativ betextet, so dass man auch einen echten Wissenszuwachs erwirbt und manche Ecke des Bezirks künftig mit kenntnisreicherem Blick ins Auge fasst.

Fazit: Ein wunderbarer Fotoband für gerade einmal 20 Euro; ein tolles Geschenk für sich selbst oder andere! Christoph Schröder

Berlin-Tempelhof, Vom Paradefeld nach Lichtenrade in alten Bildern, 128 Seiten, Sutton Verlag, 19,99 €

Dieser Beitrag wurde unter Kiez 4 abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.