Kolumne

Miteinander und nicht gegeneinander!

Die Sonne lacht und die Berliner holen ihre Fahrräder wieder aus dem Keller. Seit ein paar Wochen steigt das Verkehrsaufkommen an Radfahrern in der Stadt stetig. Stau auf dem Radweg an der Ampel war noch vor kurzem, in der kalten Jahreszeit, unbekannt. Letztens musste ich sogar eine Ampelphase warten um über die Kreuzung zu kommen, da die Schlange vor mir so lang war. Als Fahrradhändler und passionierter Radfahrer freue ich mich natürlich über die steigende Zahl an Fahrradnutzern, sehe aber auch die vielen Probleme im Alltag. Radfahrer werden von Autofahrern oftmals nicht als vollwertige Verkehrsteilnehmer mit allen Rechten wahrgenommen und akzeptiert. Auch die Verkehrsinfrastruktur Berlins ist noch nicht entsprechend ausgerichtet. Die Verkehrsplanung der letzten Dekaden mit dem Leitbild der autogerechten Stadt machte den Radfahrer zum Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. Andererseits nehmen es zahlreiche Radler nicht gerade sehr genau mit den Verkehrsregeln. Ich kann gut verstehen, dass viele Autofahrer über die Radfahrer schimpfen. Auch mir geht das so. Wieso muss sich die Person auf dem Hollandrad, die ich vorher überholt habe, an der Ampel wieder vordrängeln und dann auch noch über Rot fahren? Und das drei Mal hintereinander? Ich erlebe täglich unzählige Situationen wo ich mich über die Ignoranz anderer Verkehrsteilnehmer nur wundern kann. Wenn ich in meinem Laden am Tresen sitze und auf die Kreuzung Manfred-von-Richthofen/Ecke Bayernring schaue, beobachte ich ständig regelwidriges Verhalten. Rote Ampeln – anscheinend nur noch eine Empfehlung, sowohl für Auto- als auch Radfahrer. Handy am Ohr – normal. Sicherheitsabstand – was ist das? Ich könnte diese Liste endlos fortführen, aber bringen würde es nichts. Ich selber bin kein Waisenknabe, aber prinzipiell haben die Verkehrsregeln ihre Berechtigung. Mir kommt es vor, als ob Ignoranz, Aggressivität und Rechthaberei unter den Verkehrsteilnehmern deutlich zugenommen haben. Autofahrer meckern über Radler – leider oft zu Recht – und Radfahrer über Autos, ebenfalls zu Recht. Wenn sich jeder ein bisschen entspannter durch den Verkehr bewegen würde, wäre das eine feine Sache; auch ein Danke ab und zu tut nicht weh. Mehr Rücksicht und Toleranz untereinander würde viele gefährliche Situationen erst gar nicht entstehen lassen.

Also an alle Autofahrer: Radfahrer haben keine Knautschzone und dieselben Rechte und Pflichten im Straßenverkehr wie Ihr.

Und an alle Radfahrer: Auch für euch gelten die Verkehrsregeln.

Also bitte seid nett zu- und achtet aufeinander! In diesem Sinne gute Fahrt und genießt den Sommer in dieser wundervollen Stadt!

Fahrradhändler von La dolce velo

Dieser Beitrag wurde unter Kolummen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.