Deutsches Traber-Derby in Mariendorf

Trabrennbahn Mariendorf: seit 1913 ganzjährige Austragungsstätte von über 500 Rennen, eine der erfolgreichsten Trabrennbahnen Deutschlands ©Marius Schwarz, www.traberpixx.de

Treffpunkt der Traber-Szene Europas

Wenn vom 27. Juli bis 5. August die Derbywoche 2018 beginnt, wird Mariendorf sieben Tage lang wieder im Mittelpunkt für die europäische Traberelite und ein begeistertes Publikum stehen. Veranstalter dieses Höhepunkts der Rennsaison ist der erste Berliner Trabrenn-Verein. In diesem Jahr findet die große Rennwoche rund um das trotto.de 123. Deutsche Traber-Derby und das Eduard Winter Deutsche Stuten-Derby statt. Jeder Renntag wird unter einem besonderen Motto stehen. Das „tempelhofer journal“ sprach mit dem Mariendorfer Rennstallbesitzer Ulrich Mommert. 

Wettkampfstätte für Traber

Seit mehr als 100 Jahren ist die Trabrennbahn Mariendorf am Start. Der pferdebegeisterte Berliner Verleger Bruno Cassirer gründete gemeinsam mit anderen 1913 den Trabrenn-Verein Mariendorf. Der Beginn des Ersten Weltkriegs brachte den Pferderennsport erst einmal zum Erliegen. Doch bereits 1915 ging es auf der Rennbahn wieder weiter. 

Der aufmerksame Besucher kann anhand der Tribünen die wichtigsten Zeitabschnitte der Trabrennbahn ablesen. Die älteste ist die denkmalgeschützte „Endell-Tribüne“ im Jugendstil von 1912. Die Robinson-Tribüne erhielt den Namen nach ihrer beliebten Pächterin. Das „Teehaus“ wurde in den 1950er-Jahren gebaut. Am größten und modernsten ist das 1973 eingeweihte Tribünenhaus direkt vor dem Haupteingang. 

30.000 und mehr Besucher waren in den Jahren nach 1945 keine Seltenheit. Große Namen von Trainern und Fahrern wie Charlie Mills und „Hänschen“ Frömming sind mit dem Ort eng verknüpft. Mariendorf ist seit Jahrzehnten für den deutschen und internationalen Trabrennsport die wichtigste Adresse in Deutschland, bestätigt Ulrich Mommert, Eigentümer der Trabrennbahn und Besitzer zweier Gestüte mit Trabrennpferden. 

Spannung, Dramatik, Schnelligkeit und Taktik 

Das Pferd darf ausschließlich traben. Fällt es in den Galopp, wird es disqualifiziert. Der Reiter wird vom Pferd im Sulky, einem zweirädrigen Fuhrwerk, gezogen. Die Distanz auf der Sandbodenbahn beträgt 1.900 Meter. Gestartet werden die Rennen durch den Autostart. Ein Fahrzeug mit ausgebreiteten Gitterflügeln fährt vor dem Fahrerfeld her. Wenn die Pferde ihre Position an den Gitterflügeln eingenommen haben, beschleunigt das Fahrzeug an der Startmarke, sodass die Pferde nicht mehr folgen können. Der Start ist freigegeben.

Wetten gehören zum Trabrennsport wie der Sulky zum Pferd  

Zur Ausstattung des Fachpublikums gehört eine Rennzeitung mit wichtigen Informationen zum Pferd, Züchter, Besitzer, Trainer und Fahrer, manchmal ein Fernglas sowie bei den meisten ein Wettschein. Die Wettarten sind vielfältig: S bedeutet Siegwette auf das gewettete Pferd – es muss als Erstes ins Ziel laufen. Bei der PLACE-Wette muss das Pferd Erster oder Zweiter werden. Komplizierter sind Daily Double, die V4- oder die V5-Wette. 

Kurz vor dem Rennen sind die Wettschalter belagert. Danach werden die Plätze und Positionen wieder eingenommen und das Rennen beginnt. Über TV-Monitore und Lautsprecher wird das Rennen genau verfolgt. Kaum ist es vorbei, geht es darum, wer, wie, in welcher Zeit gewonnen hat und ob sich der Wetteinsatz gelohnt hat. 

Erfolgreicher Besitzer

Ulrich Moment, Rennbahn-Boss und Pferdezüchter ©Berliner Trabrennverein e. V.

In den vergangenen Jahren gewann Ulrich Mommert drei Mal in Folge den Titel „Champion des Jahres“. 89 Mal haben seine Pferde in der Saison gesiegt. Der amtierende Meister und Stammfahrer, Michael Nimczyk, der als einziger Fahrer einen mit echtem Blattgold belegten Sturzhelm tragen darf, steuert mit viel Erfolg die Pferde von Ulrich Mommert. Es wird wieder spannend sein, wie er in diesem Jahr im Derby abschneiden wird. 

Jedoch haben sich die Zeiten verändert. Ulrich Mommert erzählt: „Es fehlt an Nachwuchs, an jungen Fahrern und Trainern, vor allem an Pferden. Der Pferdebestand nimmt rapide ab, nicht nur in Deutschland. Das Zuchtgeschäft ist längst ein Minusgeschäft.“ 

Es ist schwieriger geworden, das Publikum zu erreichen. Außer der klassischen Werbung und Pressearbeit erhofft man sich durch die Zusammenarbeit mit dem Radiosender JAM FM sowie die Errichtung eines Golfplatzes in der Mitte der Rennbahn neue Zielgruppen. Yvonne de Andrés

Kontakt: Berliner Trabrenn-Verein e.V., Mariendorfer Damm 222, 12107 Berlin, Haupteingang: Ecke Kruckenbergstraße / Hirzer Weg, Telefon: 030 740 12 12, E-Mail: BTV@berlintrab.de

Eintrittspreise: Erwachsene: sonn- und feiertags 3 €/ ermäßigt 1,50 € und wochentags Eintritt frei, unter18 Jahre Eintritt frei. 

Eintritt an Veranstaltungstagen der Derby-Woche: 10 €, im Preis enthalten sind Wettgutscheine in Höhe von 4 €. Für den Zuschauer-VIP-Bereich auf der Kaiserlich-Endell‘schen Tribüne gelten gesonderte Preise, Reservierung von Mo-Fr. von 9-14 Uhr unter Tel.: 030 740 13 35 erforderlich, Info: www.berlintrab.de

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