Kolumne

Was ein Garten mit der neuen Mitte zu tun hat

Mit dem Projekt Lehrgarten öffnet sich die Kleingartenanlage Feldblume weiter nach außen. Sie lädt die Öffentlichkeit ein mitzumachen. Dabei es geht nicht ums Vor-sich-hin-Gärtnern, sondern um das Gemeinsame und Gemeinschaftliche über den eigenen Tellerrand hinaus. Da spielen viele Faktoren eine Rolle: Wind und Wetter, die Bodenbeschaffenheit, Tiere, Pflanzen. Nicht alle vertragen sich miteinander, wenn sie zu dicht beieinander stehen. Die eine braucht mehr Unterstützung, die andere will lieber in Ruhe gelassen werden. Was man im Lehrgarten lernt, ist auch im eigenen Beet oder auf dem Balkon von Nutzen.

Der Lehrgarten kann aber auch etwas fürs Leben außerhalb der Parzelle lehren. Beispiel neue Mitte Tempelhof: Rund um die Götzstraße soll gebaut werden. 500 Wohnungen auf relativ wenig Raum. Zwei der Kleingartenanlagen sollen abgerissen werden, andere sollen Fläche abgeben. Wie viel und wofür, weiß man nicht so genau. Bei einer Erkundungstour im Rahmen eines Architekturfestivals Mitte Juni sprechen Senat- und Bezirksvertreter von Bedarfsanalysen, die erhoben wurden. Keine Antwort gibt es auf die Frage, um wessen Bedürfnisse es geht und wo man diese Analysen einsehen kann. Das ist so, als würde ich behaupten, auf meinem Beet werden die Bohnen wunderbar wachsen, ohne zu wissen, welchen Boden und wie viel Sonne sie brauchen. Hat ein bisschen was von „wird schon passen.“ 

Damit es wirklich passt, wünsche ich mir nicht nur für den Lehrgarten, sondern auch für die neue Mitte viel mehr gemeinschaftliches Denken und Handeln. Denn beide Projekte finde ich unterstützenswert – falls man miteinander redet und miteinander arbeitet, sich austauscht und unterstützt. Bei beiden Projekten muss man eine bestimmte Reihenfolge und auch Platz einhalten, damit aus dem, was man sät, etwas Gutes wird, das man ernten kann.

Wenn wir wirklich eine neue MITTE haben wollen, sollten wir gemeinsam überlegen und planen, einander zuhören und nicht immer auf der eigenen Meinung beharren. Ideen, die schon vor Jahren entwickelt wurden, müssen nicht unbedingt schlecht sein, sondern können inspirieren. Ideen einer Planergemeinschaft und von studentischen Initiativen können wichtig und interessant sein, müssen aber nicht zwangsläufig umgesetzt werden. Transparenz und Kommunikation, aber auch stete Bürgerbeteiligung über die Voruntersuchungen hinaus sind absolut notwendig. Gerne auch in neuen Formaten, um mehr Menschen einzubinden. Dann klappt‘s auch mit den Nachbarn. Und dem Garten.

Katrin Schwahlen, Journalistin

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