Kolumne

Wo sind sie?

Der Arbeitsmarkt befindet sich derzeit in einer bemerkenswert guten Verfassung. Die Arbeitslosigkeit ist seit Jahren rückläufig und befindet sich aktuell mit rd. 2,5 Mio. Arbeitslosen auf einem niedrigen Niveau. Laut einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks geben rd. 40 Prozent aller Handwerksbetriebe an, Probleme bei der Besetzung offener Stellen zu haben – als Beauftragte für Innovation und Technologie in der Handwerkskammer Berlin mit dem Schwerpunkt Personalentwicklung ist dies auch meine Erfahrung bei der Anfrage und Beratung von Betrieben.

Wenn die geburtenstarken Jahrgänge ab 2025 in Rente gehen, werden mehr als drei Mio. Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen. Damit wird die Fachkräftesicherung zu einer noch größeren Herausforderung vor allem für kleine Handwerksbetriebe. In Berlin gibt es z. Zt. knapp 30.000 Handwerksbetriebe; schon jetzt sind viele auftragsmäßig am Limit.

Hinzu kommt, dass die Politik in den vergangenen 15 Jahren Jugendlichen und ihren Eltern vermittelt hat, dass ohne akademische Ausbildung der Nachwuchs weniger Chancen im Beruf hat. Das Ansehen des Handwerks hat darunter gelitten; seit Jahren bemüht es sich hier entgegenzusteuern. Über Imagekampagnen wird auf die Berufsmöglichkeiten und Chancen im Handwerk hingewiesen, Projekte wurden entwickelt und unterstützt, die die Berufsorientierung an Schulen stärken. Neue Ansätze gibt es, wie die Möglichkeit eine Ausbildung parallel mit der Erlangung des Abiturs im sogenannten Berufsabitur miteinander zu verknüpfen. Betriebe haben mittlerweile erkannt, dass es sich lohnt, auch ältere Fachkräfte länger im Erwerbsleben zu halten, d.h. auch nach dem Renteneintritt Mitarbeiter als Experten für besondere Aufgaben und Projekte zu berücksichtigen. Das Handwerk bemüht sich um die Integration von Menschen mit einem Migrations- oder Fluchthintergrund. Dies muss aber durch eine intensivierte Förderung von Deutschkenntnissen und einer verbesserten schulischen Ausbildung von jungen Migranten unterstützt werden. Wo großes Potential verschenkt wird, ist die Ansprache junger Frauen für handwerkliche Berufe. Ein positives Beispiel hierfür ist das Kompetenznetzwerk für Berliner Handwerkerinnen, das seit über 20 Jahren das Netzwerktreffen und Fortbildungen für Frauen in kleinen gewerblichen Betrieben anbietet und mit dem ich eng zusammen arbeite.

Auch die Arbeitgeberattraktivität spielt bei der Findung und Bindung von Auszubildenden und Mitarbeitern eine besonders wichtige Rolle. Mit geringem Aufwand kann viel erreicht werden. Maßnahmen reichen vom aktiven Gesundheitsschutz über die Einrichtung familienfreundlicher Arbeitszeiten bis hin zur Unterstützung bei der Weiterbildung. 

Gudrun Laufer, (BIT) Handwerkskammer Berlin

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